Wochenendportrait: Hilfe kommt von Herzen

Hannes Hauseur hilft ehrenamtlich bei der Bad Hersfelder Tafel

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Helfen Bedürftigen in der Kreisstadt und Umgebung: Die Mitarbeiter der Tafel in Bad Hersfeld zusammen mit einem Spender. Das Bild zeigt Edeltraut Iwan (von links), Hans Georg Hauseur, Karin Zell, Leiterin Silvia Hemel und Christian Will, Betriebstechniker bei Libri.

Hersfeld-Rotenburg. "Ich war in meinem Leben nie einen Tag arbeitslos. Mir ging es immer gut. Deswegen möchte ich mit meinem sozialen Engagement etwas weitergeben", sagt Hans Georg Hauseur.

Der Rentner aus Obersuhl engagiert sich seit fünf Jahren bei der Tafel in Bad Hersfeld. "Von Herzen gern", wie er selbst sagt. Jeden Montag arbeitet der 70-Jährige in der Einrichtung, hilft bei der Essensausgabe und gelegentlich auch beim Fahrdienst. Zweieinhalb Stunden bevor der Verkauf beginnt, geht seine Arbeit los: Hauseur bereitet gemeinsam mit den anderen Mitarbeitern die Waren vor.

Jeder, der dort Hilfe in Anspruch nehmen will, muss seine Bedürftigkeit nachweisen beispielsweise mit einem Hartz-IV-Bescheid oder einem Bescheid über Sozialhilfe. Dann bekommt er eine Berechtigungskarte für die Tafel. Bei der Ausgabe zahlen die Kunden einen symbolischen Betrag von einem Euro. Ein Kind unter 16 Jahren zahlt nichts, bei mehreren Kindern kostet es maximal zwei Euro.

Wenn die Essensausgabe beginnt, kommen in anderthalb Stunden etwa 150 bis 180 Leute zu Hauseur und seinen Kollegen. Darunter sind Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. Vom Akademiker bis hin zu Leuten, die noch nie eine Arbeitsstelle gefunden haben. Denn Armut kann jeden treffen.

Hauseur erklärt, er nehme diese Menschen nicht als Bittsteller wahr. "Das sind Kunden, die ganz normal zu uns kommen und ihre Waren bekommen." Er gibt gemeinsam mit vier anderen Ehrenamtlern die Waren raus und hakt auf einer Liste ab, wer schon da gewesen ist. Doch für ihn ist die Arbeit hier kein automatisierter Vorgang ganz im Gegenteil. Die meisten Kunden kennt Hauseur persönlich. Er weiß, was sie gerne essen, und weiß über ihre Familienverhältnisse Bescheid. Er kennt zum Teil auch ihre Sorgen und Nöte. "Die Leute sind manchmal offen und erzählen von ihren Problemen", sagt Hauseur.

Der Kontakt zu den Kunden sei immer hervorragend, erzählt er. Er beschreibt sie als dankbar, höflich und angenehm. "Ich ziehe meine Motivation für das Ehrenamt aus der Dankbarkeit der Leute", sagt er. Der 70-Jährige will so lange weiter ehrenamtlich in der Tafel mithelfen, wie er gesundheitlich dazu in der Lage ist. Wenn er in Hersfeld durch die Fußgängerzone läuft, trifft er manchmal Leute, die früher zur Tafel gegangen sind und nun einen Job gefunden haben. "Die bedanken sich und dann freut man sich für sie, dass sie es geschafft haben."

Von Marc Hörcher

Quelle: HNA

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