Monte Kali rückt näher

K+S stellt Pläne für Halden-Erweiterung vor – Widdershäuser fürchten um Lebensqualität

Leben am Fuße des Monte Kali: Die Abraumhalde überragt den Heringer Stadtteil Widdershausen. Einige Einwohner fürchten, dass mit der geplanten Erweiterung die Lebensqualität weiter abnimmt. Foto: Konopka

Widdershausen. Die Abraumhalde des Heringer Kalistandortes Wintershall soll weiter wachsen. Etwa 100 der derzeit 110 Hektar genehmigter Fläche sind bereits beschüttet.

Bis 2018 sind die Kapazitäten laut K+S erschöpft.

Deshalb will der Düngemittelhersteller eine Erweiterung um 25,7 Hektar beantragen. Die Pläne stellten Werksleiter Christoph Wehner und Projektingenieurin Hanka Poppitz am Donnerstag gemeinsam mit weiteren K+S-Mitarbeitern in der Mehrzweckhalle Widdershausen vor. Demnach soll die Halde von 2018 bis 2030 nach Südosten in Richtung der K+S-Werksanlagen und der kleinen Abraumhalde 3 wachsen – und damit auch näher an Widdershausen rücken. Die Erweiterungsfläche werde nicht nur mit einem neuartigen Basisdichtung versiegelt, sondern auch ein untergrundschonendes Schüttverfahren angewendet, erläuterte Hanka Poppitz. Die Rückstände würden nicht mehr von voller Höhe bis auf den Grund aufgebracht, sondern in zwei Ebenen. Dadurch entsteht eine sogenannte Berme, also ein Absatz an der Haldenböschung. Zusätzlich sei der Bau eines neuen, etwa 15 000 Kubikmeter fassenden Beckens für die Haldenabwässer im Kesselsgraben nötig. Ausgleichsmaßnahmen wie das Anbringen von Nistkästen zur Umsiedlung geschützter Tiere und Wiederaufforstung an anderer Stelle habe K+S bereits umgesetzt.

Ohne Erweiterung drohe das vorzeitige Ende der Produktion, verdeutlichte Werksleiter Christoph Wehner. Die Bedeutung des Bergbaus für die Region war auch den Zuhörern in der Mehrzweckhalle bewusst. Der Preis, den Widdershausen dafür zahle, sei aber besonders hoch: Schon jetzt gehe die Sonne wegen der Halde deutlich früher unter, kaum jemand wolle noch in den Ort ziehen, beklagten einige Bewohner, die um ihre Lebensqualität und den Wert ihrer teilweise nur 550 Meter entfernten Immobilien fürchten.

So könnte es aussehen: Die Visualisierung zeigt das mögliche Aussehen der Heringer Abraumhalde im Jahr 2022. Der hintere Bereich ist bereits jetzt vorhanden, vorne ist die mögliche Erweiterung in zwei Ebenen erkennbar. Am unteren Bildrand sind die kleine Halde 3 sowie die Werksanlagen des Standorts Wintershall erkennbar, am rechten Bildrand sind die ersten Häuser von Widdershausen zu sehen.

Weitere Bedenken im Saal: Der Zugang zum Wald oder den Feldern wird versperrt. Bürgermeister Hans Ries plädierte dafür, den Fokus verstärkt auf die Menschen zu legen. „Mit einer weiterem Wanderhütte für 5000 Euro ist es nicht getan“, sagte er an den Werksleiter gerichtet. Eine finanzielle Entschädigung für der Immobilienbesitzer werde es nicht geben, betonte Wehner; K+S wolle die Menschen aber auch nicht mit ein paar Bäumen abspeisen. Wehner widersprach Vorwürfen, die billigste Variante gewählt zu haben. Anhand zahlreicher Kriterien sei die Südostvariante als die geeignetste ermittelt worden. Eine aus dem Publikum ins Spiel gebrachte Nordvariante sei beispielsweise topografisch schwieriger – könne aber für die Zeit nach 2030 in Betracht kommen.

Für den Ortsbeirat plädierte Thomas Mötzing dafür, das Beste aus der Situation zu machen. Das Gremium habe sich dafür ausgesprochen, dass K+S wieder einen Weg zum Hexentanzplatz schafft. Als weitere Ausgleichsmaßnahme könne der beliebte Weg an der Werra hergerichtet werden.

Wie K+S den Widdershäusern den Monte Kali außerdem erträglicher machen könnte, blieb ansonsten eher unkonkret.

Quelle: HNA

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