Stefanie und Lena Schaar haben während einer Erkrankung ein Buch geschrieben

Ein gutes Ende für die Elfen

Buchautorinnen: Stefanie Schaar und ihre Tochter Lena erzählen von „Naruna, das Land der schönen Träume“. Foto: Schäfer-Marg

Lispenhausen. Elfen mit ganz besonderen Fähigkeiten, böse Trolle, die Elfen ärgern und eigentlich nur gemocht werden wollen, hilfreiche Schmetterlinge und eine Königin – sie alle bevölkern „Naruna, das Land der schönen Träume“. Das gleichnamige Buch haben Stefanie und Lena Schaar aus Lispenhausen geschrieben – nicht zuletzt, um eine Krankheit zu verarbeiten, unter der die heute zehnjährige Lena gelitten hat.

Kurz nach ihrer Einschulung verlor Lena aufgrund der Autoimmunerkrankung Alopecia Areata, einer ausgeprägten Form des kreisrunden Haarausfalls, nach und nach ihre Haare. „Wir sind von Beginn an offen mit der Erkrankung umgegangen“, sagt Mutter Stefanie Schaar. Lena sollte und wollte sich nicht verstecken. Klassenlehrer und die Schulkameraden wurden informiert. Lena entschied sich, eine Perücke zu tragen.

Selbsthilfegruppe

Für die Familie war diese Zeit nicht immer einfach, erinnert sich Stefanie Schaar. Sie ist Kinderkrankenschwester von Beruf. Gerade zu Beginn, auf der – vergeblichen – Suche nach medizinischer Hilfe, gab es dunkle Momente. Unterstützung fanden die Schaars bei der Selbsthilfeorganisation AAD, zu der der Kontakt übers Internet entstanden war. Erfahrungsaustausch, gegenseitige Hilfe und neue Informationen, etwa beim jährlichen Bundeskongress, sorgten für eine Stütze im Hintergrund. „Besser wurde die Situation erst, als wir die Krankheit akzeptiert hatten“, sagen Stefanie Schaar und Lenas Vater.

Lena selbst versuchte das ganz normale Leben einer ganz normalen Grundschülerin zu leben. Zur Seite standen ihr Freundinnen, auch in der Schule wurde es zur Normalität, dass das Mädchen eine Perücke trug. Außerdem war da noch ihre jüngere Schwester Marie. „Die beiden Mädchen sind in der Zeit zusammengewachsen und haben auch einen besonderen Blick für Fairness und Gerechtigkeit bekommen“, hat Mutter Stefanie beobachtet.

Im Laufe der Zeit lernte Lena auch, schlagfertig zu kontern, wenn Kinder aus der Schule oder auf der Straße Bemerkungen über ihr Anderssein machten. „Kinder sind nicht nur nett“, weiß Stefanie Schaar.

Lena, die leidenschaftlich gern liest und besonders Fantasy-Bücher mag, hat sich die Geschichte von „Naruna“, dem Land der schönen Träume ausgedacht und auch Bilder dazu gezeichnet. Die Geschichte ist komplett erfunden, aber die Erfahrungen der Krankheit fließen darin ein. Der Leser erfährt viel über Freundschaft, Verständnis und auch darüber, dass jeder Mensch etwas Besonderes ist mit besonderen Lebensumständen und Fähigkeiten. Mobbing, das die Buchheldin Vicky erleiden muss, hat Lena nie erleben müssen.

Die Geschichte, in der magische Dinge passieren, ist ein gutes Stück Unterhaltung für Kinder mit viel Gesprächsstoff für eine ganze Familie. Vickys Geschichte geht gut aus, so viel sei verraten.

Und Lenas aktuelle Geschichte klingt auch gut: Ihre Haare sind wieder gewachsen. Sie singt im Kinderchor „Sternschnuppe“, schwimmt im Verein und treibt Leichtathletik. Und im Herbst zählt sie zu den „Großen“, will den Gymnasialzweig der Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg besuchen.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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