Die Diskussion um Peer Steinbrück stand beim SPD-Hessengipfel im Hintergrund

Gute Laune bei Genossen

Wollen auf Inhalte bauen: Bundesparteichef Sigmar Gabriel (links) und der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel beim Hessengipfel in Friedewald. Fotos: Janz

Friedewald. Zum vierten Mal hat sich die hessische SPD zu ihrer Neujahrsklausur im Hotel Prinz von Hessen in Friedewald getroffen. 140 Teilnehmer diskutierten das Programm für Bundes- und Landtagswahlen und sparten die Diskussion um Kanzlerkandidat Peer Steinbrück weitgehend aus.

Die Türen zum prunkvollen Rittersaal im Nordflügel des Schlosshotels hatten sich gerade geschlossen. Drinnen begrüßte der hessische SPD-Generalsekretär, der Heringer Michael Roth, den Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel. Draußen packten die Fotografen und Fernsehteams ihre Kameras weg. Da war aus dem Saal schon das erste laute Lachen zu hören.

Die Genossen schienen gut gelaunt zu sein bei ihrer Neujahrsklausur im Hotel Prinz von Hessen in Friedewald. Dabei waren kurz vor Beginn aktuelle Umfragen bekannt geworden: Spitzenkandidat Steinbrück ist nach seinen Aussagen zum Kanzlergehalt noch unbeliebter als Außenminister Westerwelle.

Doch all das schien die Genossen nicht zu beeindrucken. Schon beim ersten Abendessen, das die 140 Teilnehmer im rustikalen Ambiente der Schloss-Scheune zu sich nahmen, hatte der hessische Parteichef Thorsten Schäfer-Gümbel die Losung ausgegeben: „Umfragen hin oder her, die hessische SPD leistet ihren Beitrag zum Politikwechsel.“ Um soziale Gerechtigkeit, um Altersarmut, um Solidarität und natürlich das Parteiprogramm für die anstehenden Bundes- und Landtagswahlen sollte es gehen, nicht um die Querelen um den Spitzenkandidaten. „Er wurde dreimal erwähnt, zweieinhalb mal lobend“, sagte Gabriel nach seinem 90-minütigen Gespräch mit den hessischen Genossen gegenüber der Presse. Die Fragen nach einer Ablösung Steinbrücks als Kanzlerkandidat seien „alles dummes Zeug“ - in der Partei gebe es diese Diskussion nicht.

Doch wie war die Stimmung hinter verschlossenen Türen? Von Teilnehmern des Hessengipfels war zu hören, dass die Kandidatenfrage tatsächlich im Hintergrund stand. Natürlich seien sie nicht glücklich über die wiederholten Pannen Steinbrücks, die die öffentliche Diskussion immer wieder weg von den Inhalten lenken. Doch er sei nun mal der Kandidat, und deshalb konzentrierten sich die hessischen SPD-Abgeordneten und Kommunalpolitiker lieber auf die Inhalte, mit denen sie Schwarz-Gelb in Bund und Land ablösen wollen.

Nicht immer so einig

Das war nicht immer so, seitdem sich die Partei in Friedewald trifft: 2010, beim ersten Hessengipfel in der Region, war die Partei zerstritten. Der Ärger um den Versuch Andrea Ypsilantis, eine rot-grüne Minderheitsregierung, toleriert von der Linken, auf die Beine zu stellen, hatte tiefe Spuren hinterlassen.

Zu Beginn des Wahljahrs 2013 tritt die hessische SPD geschlossener und selbstbewusster auf. „Wir werden hinreichenden Rückenwind für die Bundes-SPD geben“, sagte Schäfer-Gümbel, auch wenn es aus Berlin derzeit etwas böig sei.

Quelle: HNA

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