Grundschulen in Gefahr - Diskussion über Bildung im ländlichen Raum

+
Kurze Wege für kurze Beine fordern: von links der Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildungsfragen, Karsten Vollmar, Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz und der Landrat des Werra-Meißner-Kreises, Stefan Reuß.

Bebra. Ginge es nach dem Willen der Landesregierung, dann müssten im Kreis Hersfeld-Rotenburg die Hälfte aller Grundschulen geschlossen werden.

Denn das Land fordere eine Mindestgröße für Grundschulen von etwa 184 Schülern. Diese Zahl wurden auf einer Informationsveranstaltung der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildungsfragen (AfB) im Hessischen Hof in Bebra genannt und diskutiert.

Bei der Veranstaltung ging es um die Frage, wie mit den Grundschulen auf dem Dorf umgegangen werden soll. „Ich trete dafür ein, dass in jeder Gemeinde mindestens eine Grundschule erhalten bleibt“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz, die als Dezernentin auch für die Schulen im Landkreis zuständig ist. Sollte sich das Land mit seiner Forderung nach einer Mindestgröße für Grundschulen durchsetzen, wäre dies „für ländlichen Raum eine Katastrophe“, erklärte Künholz. Denn hier gebe es nicht die Mobilität durch öffentliche Verkehrsmittel wie in den Ballungszentren.

Für sie gelte als Maßstab der Grundsatz der SPD: „Kurze Beine, kurze Wege“. Deshalb müsse man sich jetzt schon mit dem brandaktuellen Thema auseinandersetzen, um die Grundschulen in den Orten zu erhalten. Man dürfe den Eltern und Schülern „nichts von oben über den Kopf stülpen“. Künholz sprach sich für den rechtzeitigen Dialog mit allen Betroffenen aus.

Eine ähnliche Schulsituation gibt es im Werra-Meißner-Kreis. Auch dort müsste die Hälfte der Grundschulen geschlossen werden, sollte die Mindestschülerzahl von 184 Wirklichkeit werden, berichtete Landrat Stefan G. Reuß. Seine Erkenntnis: Trotz sinkender Schülerzahlen ist der Bedarf an Klassenräumen nicht kleiner geworden.

Wichtig ist für den Landrat das Betreuungsangebot, das in den Kindertagesstätten sehr gut sei, nach dem Wechsel in die Grundschulen aber nicht mehr so bestehe.

Gerade einmal zwei Lehrer seien seinem Kreis für den Ausbau der Ganztagsschulen zugewiesen worden. Das sei deutlich zu wenig. Trotzdem habe es der Kreis geschafft, ein verlässliches Angebot an Kinderbetreuung flächendeckend bis 16.30 Uhr zu organisieren. Auch die Sozialarbeit in den Grundschulen werde vom Werra-Meißner-Kreises weiterhin finanziell unterstützt. Die Frage: „Was sind uns die Kinder wert?“ müsse jeder politisch Verantwortliche für sich beantworten.(zvk)

Quelle: HNA

Kommentare