Das Gasthaus Krempe, das nun abgerissen wird, zierte schon während des Ersten Weltkriegs eine Postkarte

Grüße an den Musketier Kolbe

Von einem Musketier zum anderen: Klar und deutlich ist auf der Rückseite der Datumsstempel zu sehen. Sie wurde am 21.8.1914 in Erfurt gestempelt.

Bebra. Fast 98 Jahre ist die Karte alt, die eine historische Ansicht der „Partie am Bahnhof“ Bebra zeigt. Sie ist so gut erhalten, dass man kaum glauben kann, dass dieses Fundstück schon vor fast einem Jahrhundert abgeschickt wurde.

Die Schrift auf der Rückseite ist klar zu lesen, das Bild der heutigen Gaststätte Krempe kaum verblasst. Doch es gilt das Datum des Poststempels, und der lautet klar und deutlich: 21.8.14.

Die Karte stammt aus der Sammlung des Rotenburgers Karl-Heinz Rekelkamm. Der 73-Jährige bezeichnet sich selbst als „Flohmarkt-Jäger“. Spezialisiert hat er sich auf Ansichtskarten aus seiner waldhessischen Heimat, vor allem natürlich auf Rotenburg und Umgebung.

Wann und wo er diese Karte gekauft hat, weiß Rekelkamm heute nicht mehr. Er hat früher selbst am Bahnhof in Bebra gearbeitet. „Da hat mich so eine Karte natürlich interessiert.“ Als die HNA in dieser Woche vom Abriss der Gaststätte Krempe berichtet hat, kam ihm die Karte wieder ins Gedächtnis.

Kampf um Mühlhausen

Geschrieben wurde sie gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Das deutsche Kaiserreich war am 1. August 1914 in den Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Serbien eingetreten; zwei Tage später folgte Frankreich auf der Seite der Entente und begann sofort eine Offensive in den Vogesen. Um das elsässische Mühlhausen lieferten sich beide Seite mehrere Gefechte. In einem wurde der Musketier Kautzmann verwundet.

Die Krempe und das Deutsche Haus: Diese Postkarte aus der Zeit des Ersten Weltkriegs hat der Rotenburger Karl-Heinz Rekelkamm in seinem Fundus. Wie es heute aussieht, zeigt das Foto rechts: An der Stelle des Deutschen Hauses (oben im Hintergrund) steht seit Kurzem das neue Altenhilfezentrum, die Krempe (im Vordergrund), die seit 1914 um ein Stockwerk erweitert wurde, wird ab Montag abgerissen.

Er schrieb die Karte, die er vermutlich auf der Fahrt mit dem Lazarettzug durch Bebra gekauft hat. „Damals war Bebra ein Weltbahnhof, die Züge hatten lange Aufenthaltszeiten“, sagt Karl-Heinz Rekelkamm. Den Kartengruß an seinen „werten Freund“, den Musketier Kolbe, den Kautzmann zu diesem Zeitpunkt im Lazarett im badischen Lahr wähnte, schickte er dann im Krankenhaus in Erfurt ab. Die farbigen Vermerke zeigen deutlich, dass die Feldpost einige Schwierigkeiten hatte, den Musketier Kolbe ausfindig zu machen.

In wenigen Tagen wird die Ansicht, die die Postkarte zeigt, Geschichte sein. Das Hotel Deutsches Haus, dessen „Centralheizung“ 1914 so besonders war, dass sie über dem Eingang erwähnt wurde, ist bereits dem neuen Altenhilfezentrum gewichen. Und auch die Krempe wird in den nächsten Tagen abgerissen.

Vor 100 Jahren war das Gebäude, in dem Wirtin Else Luckhardt gearbeitet und gewohnt hat, noch eine Etage niedriger. Statt einer Wirtschaft beherbergte es einen Friseursalon und einen Tabakwarenladen. Auf der Karte des Musketiers Kautzmann sind sie für die Ewigkeit bewahrt.

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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