Innere Stimmen befahlen Tat

Großmutter-Mord: Täter muss in Psychiatrie

Fulda/Bebra. Weil er in Bebra seine Oma getötet hatte, er zur Tatzeit aber wegen einer Geisteskrankheit schuldunfähig war und weiter eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, wird ein 25-Jähriger in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Das hat das Landgericht Fulda am Donnerstag angeordnet.

Die Erste Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Josef Richter zeigte sich überzeugt, dass der Medizinstudent den ihm zur Last gelegten Mord an seiner 85 Jahre alten Großmutter tatsächlich begangen habe - eine Tat, die er in nicht öffentlicher Sitzung gestand. Er habe heimtückisch gehandelt, indem er die Arglosigkeit seiner Oma ausnutzte, erklärte der Vorsitzende Richter.

Am 8. Juli sei er morgens von seinem Studienort Berlin mit einem Küchenmesser nach Bebra gereist. Er habe seine Oma in ihrer Wohnung besucht und sie freundschaftlich umarmt. Dann habe er ihr mit einem Messer dreimal in den Rücken gestochen und dem auf dem Boden liegenden Opfer die Kehle durchschnitten.

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In der Urteilsbegründung sagte der Richter, der zur Tatzeit 24 Jahre alte Student und seine Oma hätten über viele Jahre ein gutes Verhältnis gepflegt. Doch seit einiger Zeit habe der Student unter einer Schizophrenie gelitten. Im Frühjahr und Sommer 2012 sei die Erkrankung so schwer geworden, dass er sich zur Behandlung in eine Klinik an seinem Studienort Berlin begeben habe. Stimmen hätten ihmgesagt, er sei böse und solle etwas ganz Böses tun. In der Klinik habe man die Erkrankung jedoch nicht erkannt und habe ihn wieder entlassen. Die innere Stimme sei dann immer stärker geworden. „Die Stimme befahl ihm, die eigene Oma zu töten“, berichtete der Richter. Diesem inneren Befehl habe er gehorcht. Der Täter meldete sich nach dem Mord selbst bei der Polizei. Der Richter sagte, für das Gericht stehe nach dem psychiatrischen Gutachten zweifelsfrei fest, dass der Beschuldigte die Tat tatsächlich im Zustand einer akuten Schizophrenie begangen habe und er die Geisteskrankheit nicht nur vortäusche. Der Enkel sei zwar planvoll vorgegangen, er sei wegen seiner Krankheit jedoch weder einsichts- noch steuerungsfähig gewesen. Deshalb sei er nicht schuldfähig gewesen.

Der Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft verzichteten auf Rechtsmittel. Damit ist die Entscheidung des Gerichts rechtskräftig. (vn)

Unterschied zwischen Entscheidung und Urteil

Der Prozess in Fulda verlief zwar nach den üblichen Regeln der Strafprozessordnung, war aber kein normales Strafverfahren. Bei festgestellter Verhandlungs- oder Schuldunfähigkeit des Täters kann die Staatsanwaltschaft nämlich ein sogenanntes Sicherungsverfahren in die Wege leiten. Dies geschieht mit dem Ziel, dass das Gericht Maßregeln der Besserung und Sicherung anordnet, wie etwa die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung. Im Sicherungsverfahren gibt es keine Anklageschrift, sondern es wird ein Antrag gestellt, der aber ebenfalls den Erfordernissen einer Anklage genügen muss. Das Gericht fällt am Ende kein Urteil, sondern trifft eine Entscheidung. (ks)

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Bilder vom Unglücksort

Frau in Bebra getötet

Quelle: HNA

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