75 Stellen werden gestrichen

Geschäftsführer begründet Entlassungen am HKZ: Das große Ganze nicht gefährden

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Soll das HKZ wieder in die Gewinnzone führen: Ulrich Hornstein ist seit Herbst 2012 Geschäftsführer des renommierten Herz- und Kreislaufzentrums auf dem Rotenburger Hausberg.

Rotenburg. Das Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg steckt in Schwierigkeiten. Der Gewinn ist gesunken, bis nächstes Frühjahr werden 75 von 900 Stellen gestrichen. Wir sprachen mit Geschäftsführer Ulrich Hornstein.

Herr Hornstein, wie schlecht geht es dem HKZ? 

Ulrich Hornstein: Der Patient ist auf dem Weg der Besserung. Mit den Maßnahmen, die wir getroffen haben, sind wir auf einem guten Weg, das Unternehmen zu stabilisieren. Allen Gerüchten, dass Löhne nicht gezahlt oder Patienten abgewiesen würden, muss ich entschieden widersprechen. Es wird hier weiter die gewohnt hohe Qualität geboten. Es gibt auch keine Ambitionen, das Unternehmen zu veräußern

Seit Anfang des Jahres ändern Sie Strukturen, entlassen Personal. Warum ist das nötig? 

Hornstein: Das Gesundheitssystem sieht gewisse Leistungen vor, die über die Pflegesätze abgegolten sind. Wir bieten aber viele Leistungen an, die zwar gut sind für die Patienten, uns aber nicht finanziert werden. Dieser erhöhte Personal- oder Materialeinsatz ist auf Dauer nicht finanzierbar. Wir müssen im täglichen Geschäft effizienter und schneller werden. Das bringt allerdings den Abbau mit sich, weil wir mit schlankeren Prozessen nicht mehr so viel Personal benötigen.

Wo setzen Sie denn mehr Personal ein als nötig? 

Hornstein: Bei den Therapien im Rehabereich bieten wir zum Beispiel weit überdurchschnittliche Leistungen an, die in keinster Weise adäquat vergütet werden. Das Personal, das wir da nicht mehr benötigen, müssen wir freisetzen. Es tut mir um jeden Mitarbeiter leid, den ich gehen lassen muss, aber wir müssen das machen, bevor das große Ganze in Gefahr gerät.

Und das geht ohne betriebsbedingte Kündigungen? 

Hornstein: Ja. Das hängt vor allem mit unserem ausländischen Patientenklientel zusammen. Dieses Geschäft ist für uns nicht so verlässlich, sodass wir viel mit befristeten Verträgen gearbeitet haben, die wir nun auslaufen lassen.

Setzt das HKZ damit nicht seinen guten Ruf aufs Spiel? 

Hornstein: Wir können uns die zusätzlichen Leistungen einfach nicht mehr leisten. Wenn die Patienten dann in andere Krankenhäuser gehen, ist das leider so. Ein Patient, bei dem wir drauflegen, bringt uns genau soviel wie ein Patient, der gar nicht kommt.

Wo können Sie noch sparen? 

Hornstein: Mit sinkender Mitarbeiterzahl sinkt der administrative Aufwand. Deshalb besetzen wir in der Verwaltung frei werdende Stellen nicht nach. Das ist in einem allein stehenden Haus wie unserem nicht so einfach. Klinikverbünde haben es leichter.

Sie gehen auch scheinbar banale Dinge an wie die Terminvergabe für Patienten. Was bringt das? 

Hornstein: Planbare Untersuchungen und Operationen müssen wir nicht auf Montag oder Dienstag legen, wenn sowieso viele Patienten kommen. Das sind hochfrequentierte Tage, an denen unser Personal doppelt belastet ist. Wenn diese Patienten über die Woche verteilt kommen, verteilt sich die Arbeitsbelastung besser. Dann brauchen wir weniger Überstunden und letztlich weniger Personal.

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Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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