Szenische Lesung von Stefan Becker und Carlo Ghirardelli im Hotel Silbertanne

Grausames bei Grimms

Gestenreiche Erzähler: Stefan Becker (links) und Carlo Ghirardelli als Wilhelm und Jakob Grimm. Foto: Meyer

Rotenburg. Die Stiefmutter wird in ein Bad aus siedendem Öl voller Giftschlangen gesteckt, die Hexe verbrannt, Mutter und Tochter finden ihr Ende in einem Fass voller Nägel, das den Hang hinabrollt. „Vom Grimmschen Tod und Teufel“ handelte eine an Grausamkeiten reiche Lesung der Schauspieler Stefan Becker und Carlo Ghirardelli, die als die Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm im Rotenburger Hotel Silbertanne zu Gast waren.

Zwei lange verstorbene, dafür ziemlich lebendige Professoren standen im Biedermeier-Rock hinter den Stehpulten und erzählten mitreißend die von den Brüdern gesammelten Geschichten und aus deren Leben. Wikipedia und die SMS-Kurznachricht erfunden zu haben, nahmen die Männer mit Nickelbrille für sich in Anspruch, priesen das Fulle-Wasser und staunten, dass die Chinesen, die zudem immer mehr werden, heutzutage ihre Märchensammlung kaufen und lesen.

Die Zuschauer lernten, dass die aus Hanau stammenden Brüder stets Schreibtisch an Schreibtisch arbeiteten und sahen, wie die Liebe zueinander sie beinahe zu Tränen rührte. Als vertraut mit jeglichen Mord-Methoden erwiesen sich zudem Jakob und Wilhelm, die feststellten: „Die besten Tode“ gebe es nicht im Tatort, sondern bei den Gebrüdern Grimm.

Tod einer Familie

Tatsächlich, auch in den Geschichten abseits der berühmten Grimm-Märchen geht es handfest zu: Da „kämmte der Bauer dem Wolf mit dem Dreschflegel die Haare“, da zerrt das verstorbene Kind seine Mutter ins Grab. Da lassen eine ganze Dorfbevölkerung und später eine komplette Familie das Leben. Seit mehreren Jahren sind die Schauspieler Becker und Ghirardelli als Wilhelm und Jakob Grimm unterwegs und haben inzwischen ein aus 13 verschiedenen Lesungen bestehendes Repertoire. Jede davon rückt einen speziellen Aspekt ihres Lebens und Schaffens in den Mittelpunkt.

Ihre Lesungen werden wieder Teil des Kultursommers sein. In die Silbertanne hatte der Verein „Gemeinsam in Rotenburg“ die Schauspieler eingeladen. Hier, so der Vorsitzende Karl Heinz Lies, habe der Kultursommer damit inoffiziell bereits begonnen.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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