Leipziger Pfeffermühle zeigte Programm „Drei Engel für Deutschland“ in Ellis Saal

Gott unter Kostendruck

Auch im Himmel gibt’s Probleme: Die drei Engel der Kabarettgruppe Leipziger Pfeffermühle präsentierten deftige Unterhaltung in Ellis Saal. Foto: A. Koch

Weiterode. Die Auftaktveranstaltung der Kultursaison in Ellis Saal in Weiterode fand vor ausverkauften Rängen statt. Die „Leipziger Pfeffermühle“, ein Garant für spritzige Unterhaltung, gastierte in Ellis Saal mit dem Programm „Drei Engel für Deutschland“.

Drei Engel im Himmlischen Öffentlichen Dienst (HÖD) in der Abteilung D wie Deutschland bemühen sich zwar, können aber die Republik auch nicht retten. Zu viele Probleme, Querulanten und Misswirtschaft stehen dem im Weg. Außerdem ist die Abteilung Deutschland hoffnungslos unterbesetzt.

Chef vom HÖD ist Gott. Und auch im Himmel ist der Kostendruck enorm gestiegen. Allein die Pensionsansprüche der HÖD-ler sind kaum zu gewährleisten, denn schließlich leben Engel ewig.

Banker bekommen Fett weg

Aufgeteilt sind die Zuständigkeitsbereiche – und zwar alphabetisch. In den Aufgabenbereich A bis K fallen die Banker. Ein Grund, weswegen dieser Engel nur noch beim Chef ist. Bank- und Finanzwesen bekommen ihr Fett weg, aber auch der Datenskandal und die Zustände im Gesundheitswesen.

Eine Szene spielt in der Arztpraxis der Zukunft. Doktor „Corleone“ ist der Pate. Schwester Mirabella massiert ihm die Schultern, während er im Satin-Hausmantel eine dicke, weiße Katze auf seinem Schoß streichelt. Der Patient der gesetzlichen Krankenkasse kommt als Bittsteller und kriecht auf Knien, um ein Aspirin für seine kranke Tochter zu bekommen. Höchste Eskalationsstufe erreicht die kabarettistische Einlage, als klar wird, dass das eine Aspirin nur über eine Gefälligkeit zu haben ist – eine Niere, nicht zwei. „Wir sind ja keine Mörder“, sagt Doktor „Corleone“.

Betont laut und deftig ging es auch bei anderen Themen zu – zum Beispiel dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan, der Ärzte-Knappheit auf dem Land, dem Verfassungsschutz, Facebook und dem Internet. Zwischendurch glänzten die Künstler der Leipziger Pfeffermühle immer wieder mit Gesangseinlagen. Bekannte Melodien und selbstgeschriebene Texte verbanden sich zu einer interessanten Mischung, die vom Publikum mit viel Applaus honoriert wurde.

Das Schlusslied gab Ausblick darauf, was uns noch alles erwartet: die Rente mit 95, Kinderarbeit („In 2033 verdienen sich die Kinder ihr Kindergeld selbst“), katastrophale hygienische Verhältnisse in deutschen Krankenhäusern und die Beobachtung der eigenen Darmspiegelung auf Google-Streetview.

Alles endet damit, dass Gott den HÖD schließt. Gottes dreißig Jahre jüngere Frau muss sich wieder damit abfinden, dass der „Alte“ in „Dappchen“ durch den Himmel schlappt, seine Jogginghose trägt und ihr auf die Nerven geht. Aber auch Gott ist genervt: „Wenn die Liebe das Licht des Lebens ist, dann ist die Ehe die Stromrechnung.“ SPENDENÜBERGABE

Von Alexandra Koch

Quelle: HNA

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