Schüler reinigen Messingtafeln und lernen viel über Judentum

Nun glänzen die Stolpersteine wieder

Von links: Michèle, Samuel, David, Fabian, Dr. Susanne Natrup, Nathanael, Kim vor Stolpersteinen von Elfriede Gans, Judis Bela Gans, Manfred Jakob Gans, Hertha Meyer, Julius Meyer, Brotgasse 32. Foto:  Meyer

Rotenburg. Schüler der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule haben die sogenannten Stolpersteine gereinigt, die seit einigen Jahren in Rotenburgs Straßen an die jüdischen Mitbürger erinnern, die hier lebten und während der Zeit des Dritten Reichs verschleppt und meist auch ermordet wurden. Mit Wassereimern und Putzmitteln liefen Sechstklässler und -klässlerinnen dafür durch die Straßen.

Das Judentum ist Thema im Religionsunterricht. David, Fabian, Samuel und Nathanael, die unter anderem in der Brotgasse tätig wurden, wissen daher, dass Juden wegen ihrer Religion nur Fleisch von bestimmten Tieren essen dürfen. „Das Essen muss koscher sein“, sagt Fabian. Im Unterricht ging es speziell um Juden, die in Rotenburg gelebt haben.

Erinnern an Mitbürger

Fabians Mitschüler David hat sich besonders mit Willi Gans beschäftigt, an den ein Stolperstein vor dem Haus mit der Nummer 6 an der Brotgasse erinnert, wo Gans geboren wurde. David hat erfahren, dass Willi Gans den Beruf seines Vaters ergriff und Schlossermeister wurde, dass er nach Köln zog, deportiert wurde und 1944 in Riga starb. „Deportiert bedeutet, dass die Juden ins Konzentrationslager oder Arbeitslager gebracht wurden“, erklärt Samuel.

Im Laufe eines Jahres laufen die Oberflächen der Messingsteine an, außerdem verdunkele sie der Schmutz, sagt Religionslehrerin Dr. Susanne Natrup. Indem sie die Reinigung der Steine in den Unterricht einbezieht, möchte sie das Thema anschaulicher machen. „Wir strengen uns an und machen etwas“, erklärt Natrup. Die Schüler würden merken: „Das hat etwas mit uns zu tun.“ Die Lehrerin hat festgestellt, dass dadurch das Interesse steigt. Natrup: „Es kommen Rückfragen: Warum wurden die Juden nicht gerettet? Warum haben die Rotenburger sie nicht unterstützt?“.

Elf weitere Stolpersteine sollen am Donnerstag, 7. November, in Rotenburg verlegt werden. An diesem Tag findet auch eine Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome in der Rotenburger Stiftskirche statt.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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