Der Geschichtsverein legt Band 35 der Reihe „Rund um den Alheimer“ vor

Geschichte aus der Region

Historisches Bebra: So sah die Nürnberger Straße 1915 aus. Das Bild illustriert die Erinnerungen der Bebraer Jüdin Ilse Friedman-Golbert, die der kürzlich verstorbene Heimatforscher Jost C. Ulm für den neuen Band der Reihe „Rund um den Alheimer“ übersetzt hat. Friedman-Golbert war Tochter des Kaufmanns Siegfried Abraham, der mit seinem Bruder ein Textilwarengeschäft betrieb (links).

Rotenburg. Ein Kino, in dem längst kein Film mehr läuft; ein Hofgut, das längst dem Erdboden gleich gemacht ist; eine Bahnhofsmission, die längst keine Flüchtlinge mehr betreut – die Vergangenheit ist das Thema der Reihe „Rund um den Alheimer“. Auch der neue Band 35 erzählt wieder Geschichten und damit die Geschichte der Region.

Ulrike Bauer-Both, Holger und Ute Henning sowie Andreas Rehs, die vierköpfige Redaktion des Geschichtsvereins Altkreis Rotenburg, hat zehn ganz unterschiedliche Beiträge zusammengetragen – verfasst von Kennern der Lokalgeschichte. Die Texte und vielen Bilder lassen die Vergangenheit für den Leser ganz plastisch erscheinen.

Das Titelbild ziert eine historische Ansicht des Rotenburger Bahnhofs, der Gegenstand eines Artikels des Baumbachers Reinhold Salzmann ist. Da das Material zum Haltepunkt an der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn so umfangreich ist, hat er zunächst nur die Geschichte von den Anfängen 1841 bis zum Ersten Weltkrieg verarbeitet. Ein zweiter Teil soll folgen.

Wüstungen sind das Thema gleich mehrerer Beiträge: Karl-Heinz Kessler beschäftigt sich mit dem Hof Welda bei Sontra, der auf das 13. Jahrhundert zurückgeht und nach einem Brand 1971 aufgegeben wurde. Insgesamt gibt es im Kreisteil Rotenburg nahezu 90 aufgegebene Siedlungen – von Aue bei Meckbach bis Ziebach bei Ronshausen. Ihnen widmet der Breitenbacher Martin Ludwig einen ausführlichen Artikel.

Altes Fotoalbum

Als wahrer Schatz entpuppte sich ein Album mit Bildern aus der Geschichte der Bahnhofsmission Bebra. Einige gut erhaltene Fotos zeigen, wie dort 1949 Weihnachten gefeiert wurde. Der Eschweger Gerhard Seib hat sie gesammelt. In ihrer auf Englisch veröffentlichten Autobiografie zeichnet die Bebraer Jüdin Ilse Friedman-Golbert ein lebhaftes Bild vom Leben in der Stadt zwischen den Kriegen bis zu ihrer Flucht vor den Nazis 1938. Übersetzt hat es der kürzlich verstorbene Heimatforscher Jost C. Ulm – sein letzter Beitrag zur Bewahrung der lokalen Geschichte.

Das Fernsehen hat in den 60er-Jahren vielen kleinen Kinos den Todesstoß versetzt, auch den Palast-Lichtspielen von Obersuhl. Die hatte der Gastwirt des Kaiserhofs, Johannes Breitbart, 1920 eröffnet, schreibt Harald Weber in seinem Beitrag über die einstige Kinokultur in der Region.

Weitere Beiträge runden den neuen Band aus der Reihe „Rund um den Alheimer“ ab, darunter ein Porträt von Lars Rosinsky über die Familie von Gilsa. Das 80 Seiten starke Buch ist zum Preis von 8,50 Euro im Buchhandel oder beim Geschichtsverein Altkreis Rotenburg erhältlich.

Kontakt: Andreas Rehs, Telefon 0 66 23 / 4 15 48, E-Mail andreas.rehs@web.de

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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