Gerit Kling in Schillers "Maria Stuart" bei den Bad Hersfelder Festspielen

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Königin auf Zeit: Mit Schal und dicker Jacke trotzt Gerit Kling dem kalten Frühjahrswetter in Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld. Mit ihrem strahlenden Lächeln füllt Gerit Kling den Raum. Lebhaft und offen erzählt sie aus ihrem Leben und von ihren Rollen. Zurzeit ist Gerit Kling eine Königin. Sie spielt die Elisabeth in Friedrich Schillers Drama "Maria Stuart" bei den Bad Hersfelder Festspielen.

Sie freut sich über ihre sehr vielschichtige Rolle. "So eine Rolle wird einem so schnell nicht wieder angeboten", weiß Gerit Kling und sagte zu, auch wenn sie dafür Fernsehengagements absagen musste.

Die Elisabeth ist, so sieht es die Schauspielerin, in einer verzweifelten Lage. Sie weiß, dass sie eine andere Königin umbringen lassen muss, damit sie ihren Thron behalten und ihre Interessen vertreten kann. Da sie weder vor ihrem Volk noch vor sich selbst als Mörderin dastehen möchte, ist sie angespannt, ungerecht und aggressiv, erklärt die Schauspielerin ihre Rolle. Doch so ganz sei sie noch nicht in der Figur der Elisabeth zuhause, räumt Gerit Kling ein. "Da stehen wir Schauspieler immer vor einem riesigen Berg und wissen nicht, wie wir raufkommen sollen," meint sie. Umso mehr schätzt sie die tolle Atmosphäre auf der Bühne der Stiftsruine. Und auch mit ihrer Gegenspielerin Marie-Therese Futterknecht, die die Maria Stuart spielt, versteht sie sich sehr gut. "Das ganze Ensemble ist entzückend", schwärmt Gerit Kling. Wie die meisten ihrer Schauspielerkollegen wird sie allerdings während der Proben- und der Festspielzeit pendeln müssen. Die Dreharbeiten für den "Notruf Hafenkante" in Hamburg laufen weiter und auch eine Lesung von Esther Vilars "Eifersucht" in der Hansestadt ist schon terminiert.

Gerit Kling ist voller Leidenschaft für ihren Beruf, sieht aber auch, dass die Bedingungen für Schauspieler immer abenteuerlicher werden. Sinkende Gagen, Unsicherheit und schlechte Rahmenbedingungen machen allen zu schaffen. Ihre Begeisterung für die Schauspielerei hat Gerit Kling bereits mit fünf Jahren entdeckt. Da durfte sie in dem Kinofilm "Goya" von Konrad Wolf mitspielen. Weitere Filme folgten. Als sie in die Schule kam, wollten ihre Eltern nicht, dass sie eine Sonderstellung hat und untersagten weitere Dreharbeiten. Gerit Kling suchte sich jedoch eine Theatergruppe im Pionierhaus Potsdam. Dort erkannte man ihr Talent und förderte sie. Gleich nach dem Abitur ging sie an die Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin und wurde im zweiten Studienjahr für eine Hauptrolle am Deutschen Theater besetzt. "Ich galt damals als großer Senkrechtstarter" lacht sie. Engagements bei verschiedenen Theatern, unter anderem in Schwerin und Nürnberg, folgten. Bekannt ist Gerit Kling aber vor allem durch eine Fülle von Kino- und Fernsehfilmen. Seit einigen Jahren ist sie wieder häufiger auf der Theaterbühne zu sehen. Und ab 13. Juni dann in der Stiftsruine als Königin Elisabeth.

Zur Person

Gerit Kling wuchs gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester, der Schauspielerin Anja Kling, in der Nähe von Potsdam auf. Sie ist dem Publikum vor allem durch ihre vielen TV-Rollen bekannt, zum Beispiel in "Notruf Hafenkannte", der preisgekrönten Komödie "Stankowskis Millionen", "Das Traumschiff", "Alarm für Cobra 11", "Unser Charly", "Die Affäre Semming", "Die Kommissarin" oder "Liebling Kreuzberg", um nur einige Produktionen zu nennen. Auch im Kino ist Gerit Kling zu sehen, unter anderem in "Kaiserschmarrn", "Gnadenlos" oder "Barfuß". In jüngster Zeit stand Gerit Kling auch wieder häufiger auf der Bühne, noch vor wenigen Tagen mit ihrem Soloabend "Oben Bleiben", einem Theaterstück, das extra für sie von dem Autor Carsten Golbeck geschrieben wurde, in den Hamburger Kammerspielen. Außerdem war sie in "Frau Müller muss weg", "Shoppen", "Mondscheintarif" oder "Lovers" zu sehen. Gerit Kling ist verheiratet und hat einen 18-jährigen Sohn.

Von Christine Zacharias

Quelle: HNA

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