„Lange Haare hatte ich nie“

Georg Dusenberg war 1968 beim ersten Burg-Herzberg-Festival dabei

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Breitenbach/H. Georg Dusenberg aus Gehau war 1968 beim ersten Herzberg-Festival dabei. Er gehört damit zu den wenigen Besuchern des diesjährigen Burg-Hippie-Treffens, die sich an die Anfänge erinnern.

Lange Haare? Georg Dusenberg lacht und greift sich in die wohlgestutzte Frisur. „Nein,“ sagt der 66-Jährige aus Gehau. „Lange Haare hatte ich nie. Die hätten mich gestört.“ Doch als im Sommer 1968 das Dorf-Gemurmel begann – auf der Burg Herzberg sollte was los sein – wurden auch der damalige Maurerlehrling und ein paar Freunde neugierig. Dusenberg gehört damit zu den wenigen Besuchern des diesjährigen Burg-Herzberg-Festivals, die sich an die Anfänge des Hippie-Treffens vor fast 50 Jahren erinnern. „Sowas kannten wir ja nicht“, erzählt er. „Die ganze Bewegung war damals noch nicht bis zu uns aufs Dorf gekommen, und viele Leute haben sich gefragt, was da plötzlich für Leute einfallen.“ Auch wenn die Fotos von 1968 das hessische Woodstock eher als gesittete Feier gut geföhnter Menschen zeigt, hat die Erfahrung den damals 18-Jährigen beeindruckt. „Es war eine friedliche Zusammenkunft mit toller Musik“, sagt er. „Ich habe es gar nicht unbedingt als politisch empfunden. Alle wollten einfach zusammen feiern, und das ist ja heute noch so.“ Nach einer Jahrzehnte-langen Hippie-Pause gehören Georg Dusenberg und seine Familie inzwischen wieder zum festen Besucherbestand am Herzberg. „Wir sind ein richtiger Clan hier“, erzählt er und deutet auf die Wohnwagengruppe mit Pavillonwohnzimmer am oberen Ende des Zeltplatzes. „Das Hippie-Festival gehört zu unserem Sommer dazu.“

Dass der Wohnwagen der Dusenbergs selbst aus der bunten Camping-Architektur von „Freak City“ heraussticht, liegt an Tochter Annika, die die Außenwand des Gefährts jedes Jahr mit einem neuen Herzberg-Motiv bemalt. Auf der Fahrerseite leuchtet das Pfau-Logo von 2010, für dieses Jahr hat sich die 21-Jährige eine verschnörkelte Feder ausgesucht. Auch wenn sich das Festival seit 1968 um das zehnfache vergrößert hat, schätzt Dusenberg noch immer die familiäre Stimmung in der Zeltstadt. „Es ist schön, dass vom Baby bis zum Opa alles dabei ist“, sagt er. „Früher war eher die Jugend da und die älternen Leute haben den Kopf geschüttelt, aber inzwischen ist alles bunt gemischt.“ Fragt man den Herzberg-Veteranen nach einer besonderen Erinnerung aus seinem Festivalfundus, muss er erstmal überlegen. „Die Schlammschlacht von 2012“, sagt er dann. „Da stand hier alles unter Wasser. Und die Auftritte von Uriah Heep, Steppenwolf und Manfred Mann’s Earth Band waren auch besonders.“ Herzberg als Wohlfühlort Während sich am Mittwochmorgen die Freak City zum ersten Festival-Frühstück aus den Zelten schält, freut sich die Familie Dusenberg auch auf ein paar ruhige Tage abseits der gewaltgeplagten Nachrichtenwelt. „Hier kann man alles hinter sich lassen“, sagt Georg Dusenberg. „Sogar auf jeder Dorfkirmes gibt es Schlägereien, aber hier habe ich sowas noch nie erlebt.“ Während er über das Hippie-Festival als Wohlfühlort spricht, zupft er rhythmisch an seinen Regenbogenhosenträgern. Ein Herzberg-Kostüm, das jedes jahr vom Dachboden geholt wird? Dusenberg lacht. „Nein“, sagt er. „Die habe ich schon in meiner Zeit als Maurer getragen.“ (str)

Quelle: HNA

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