Festlich-buntes Konzert für 20 Finger und vier Füße

Genuss an der Orgel

Eingespieltes Team: Das Organisten-Ehepaar Carsten und Iris Lenz aus Ingelheim am Rhein spielten zum Martin-Luther-Kirchenjubiläum in Rotenburg. Foto: Alexandra Koch

Rotenburg. Dies die Fakten in Kurzform: 50-jähriges Bestehen der Martin-Luther-Kirche, zum festlichen Auftakt am Nationalfeiertag Konzert und Kino vereint, ein buntes Programm von der doppelt besetzten Orgelbank, das noch bunter wird durch die mitgelieferte filmische Optik.

Ja, selbst ist der Mann, ist die Frau, ist das Organisten-Ehepaar. Carsten und Iris Lenz aus Ingelheim am Rhein verstehen sich nicht nur aufs geschickte Manual- und Pedalspiel, sie bringen auch die Kameraausrüstung samt Projektionsleinwand mit, um ihre Aktion auf der rückwärtigen Kirchenempore den Konzertbesuchern unten im Saal zu zeigen. Man hört nur, was man sieht – und alles klappt technisch perfekt.

Musikalisch am Noeske-Instrument von 1968 sowieso. Das Elegante, Charmante, das Heiter-Leichtgewichtige dominiert auf dieser einstündigen Reise durch die Musikepochen (seit der Barockzeit) und Herkunftsländer der acht Komponisten (bis Kanada).

Flinke Finger, leichtes Herz

Es geschieht ja nicht automatisch, dass flinke Finger und Füße einem das Herz leicht machen. Zur körperlichen Gewandtheit müssen Sinn, Fantasie, Ausdruckswille treten. Wie in des US-Amerikaners Eugene Thayer (19. Jh.) Variationen über das eigentlich traurige schottische Volkslied „Auld Long Syne“ (mit finaler Fuge) oder in Carsten Lenz’ eigenen Variationen über „Happy Birthday to you“, die die bunte Programmfülle von der Klassik bis hin zu Walzer, Blues und Ragtime noch einmal süffig aufarbeiten. Man ist übrigens stolz, nur Duo-Originalstücke geboten zu haben.

Zum Zugabenschluss dieses Multimedia-Genusspakets sahen, hörten sich die etwa 60 Orgelfreunde für ihren regen Applaus belohnt mit einem Walzer, getanzt von vier Füßen auf der Pedalanlage und in Großaufnahme schmunzelnd zu bewundern. Merke: Das Begriffspaar Hacke-Spitze gilt nicht nur beim Fußball-, sondern mehr noch beim Orgelpedalspiel.

Von Siegfried Weyh

Quelle: HNA

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