Hersfelder mit massivem Suchtproblem wegen räuberischen Diebstahls verurteilt

Geklaut, um zu vergessen

Bad Hersfeld. Er ist seit Jahren als Intensivtäter bei Eigentums- und Drogendelikten bekannt. Und doch konnten im Dezember vergangenen Jahres weder Polizei noch Staatsanwaltschaft einen 29 Jahre alten Hersfelder stoppen, der fast wahllos als Ladendieb auf Beutezug ging, um seine Sucht nach Drogen, Medikamenten und Alkohol zu befriedigen.

Insgesamt acht Diebstähle beging er innerhalb weniger Tage, darunter einer, bei dem er das Diebesgut mit gezücktem Cuttermesser gegen das Verkaufspersonal verteidigte. Weil es bei einer Tat Umstimmigkeiten gab, wurde der berufslose Mann gestern vom Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld „nur“ wegen sieben Taten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt – neun Monate weniger als von Staatsanwalt Dr. Heiko Heppe beantragt. Den Nachlass gewährte das Gericht mit seinem Vorsitzenden Michael Krusche mit Blick auf ein weiteres Verfahren, in dem sich der Angeklagte im Juni wegen ähnlicher Taten verantworten muss.

Unterbringung angeordnet

Aber darauf kam es in diesem Prozess, dessen Urteil im Einverständnis aller Beteiligten gleich rechtskräftig wurde, gar nicht an. Denn über die Strafe hinaus ordneten das Gericht die Unterbringung des Hersfelders in einer Entziehungsanstalt an. Dort soll er während der beiden nächsten Jahre endlich zurück in ein drogenfreies Leben finden.

Denn bereits als Teenager kam der verhaltensauffällige junge Mann, der teils beim Vater in Spanien, teils bei der alkoholkranken Mutter in Deutschland, die meiste Zeit aber in Heimen aufwuchs, mit fast allem in Kontakt, was krank und süchtig macht.

Im vergangenen Jahr, als er in der Obdachlosenunterkunft am Wassermannseck hauste, ging es dem Hersfelder vor allem ums Vergessen. Als „lückenhaft“ beschrieb er vor Gericht seine Erinnerung an diese Zeit, in der er sich auch mit Selbstmordgedanken trug. Lückenhaft ist sein Gedächtnis auch, was die Diebstahlsserie vom Dezember angeht. Das erschwerte die Beweisaufnahme, in der es auch darum ging, in welchem Zustand der Angeklagte unterwegs war.

Geschnappt und weiter

Wie egal ihm seinerzeit alles war, zeigte sich jedenfalls in der Nacht zum 13. Dezember: gerade noch hatte ihn die Polizei in einer Tankstelle samt einem mit Beute gefüllten Rucksack erwischt und nach Aufnahme des Vorfalls wieder freigelassen, da brach der Hersfelder zwei Ecken weiter ein Auto auf und setzte sich in eine Decke gewickelt auf den Beifahrersitz, um sich vor der Kälte zu schützen.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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