Wieder gastierten hochkarätige Jungmusiker aus Georgien in der Kirche Weißenhasel

Da geht das Herz auf

Nachwuchstalente: Vier junge Musiker aus Georgien begeisterten in der Weißenhaseler Kirche mit Werken von Bach, Brahms, Chopin und georgischen Komponisten. Foto: nh

WEISSENHASEL. Aus drei Gründen am Donnerstagabend in den Nentershäuser Ortsteil Weißenhasel. Wegen des lichten, hohen, barock-beschwingten, von einer weiten Holztonne gewölbten Kirchenraums. Wegen des Männergesangvereins, der unter Helmut Müllers Leitung mit rundem Volumen zwei Liedsätze sang, darunter eine deutsche Version von Verdis Gefangenenchor aus der Oper „Nabucco“. Und natürlich wegen der instrumentalen Programmfolge, die vier hochbegabte Teenager (16 bis 18 Jahre) aus Georgien absolvierten.

Die Berliner Initiative „Kammerton“ hatte sie nach Deutschland geholt. Dort stehen an diesem Wochenende auch zwei prominente Auftritte bei den Bad Hersfelder Festspielkonzerten im J. S. Bach-Haus an (Samstag und Sonntag, 16 Uhr). „Kammerton“-Mitgründer Gerald Wenk stammt aus Weißenhasel, seine Partnerin Ludmila von Berg machte hier nach der Begrüßung durch Pfarrerin Annette König mit den Musikern und den neun Musikstücken bekannt. Auch ein Stück Tradition – gab es in den vergangenen Jahren bereits ähnliche Gastkonzerte mit Jungtalenten aus Armenien und Georgien, unter anderem in den Kirchen Nentershausen und Philippsthal.

Wichtigster Komponist

Hier in Weißenhasel regierte Bach, der – wie osteuropäische Musiker gern scherzen – wichtigste Komponist Rußlands. Levan Ugalava (Klavier) und Nata Roinishvili (Violine) griffen nach dem Anspruchsvollsten, nämlich Teilen aus den „Sei solo“, den sechs Sonaten und Partiten für Violine allein. Der Pianist spielte die berühmte Chaconne d-Moll aus BWV 1004 in der Bearbeitung von Ferruccio Busoni, die Geigerin die einleitenden Sätze Adagio und Fuge g-Moll aus BWV 1001. Tadellos die technische Ausführung, Staunen erregend die Ausdrucksgewalt – selbst auf dem E-Piano, das den Klavierklang ja bloß simuliert (in Bad Hersfeld gibt es selbstverständlich einen Konzertflügel).

Was noch? Brahms’ Scherzosatz aus der F-A-E-Violinsonate, Chopins „Revolutions-Etüde“ c-Moll op. 10 Nr 12, Albinonis barockes Adagio g-Moll und Liszts reißerische Ungarische Rhapsodie Nr. 6 Des-Dur. Hier im Einsatz die beiden vielleicht reifsten Kollegen Giorgi Oikashvili (Klarinette) und Tata Makharadze (Klavier). Beide haben soeben das Abitur hinter sich gebracht und wollen an der Musikhochschule der Hauptstadt Tbilisi (Tiflis) studieren.

Ja, bei so viel Talent und Überschwang geht einem das Herz auf. Und ihnen selbst wohl noch mehr bei den drei folkloristisch angehauchten Komponisten ihrer georgischen Heimat. Tsindtsadze, Gejadze und Azarashvili heißen sie. Das stattliche Weißenhaseler Publikum bekam für den kräftigen Beifall noch zwei zugegeben.

Von Siegfried Weyh

Quelle: HNA

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