Der 18-jährige Gholam wohnt gemeinsam mit acht jugendlichen Flüchtlingen in Bebra

Flüchtlingskind Gholam geht gern zur Schule

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Flüchtling: Gholam wohnt seit der Eröffnung der Wohngruppe Beiserhaus in Bebra. Er mag iranische und afghanische Musik. Außerdem zeichnet er gern.

Seit über einem Jahr finden jugendliche Flüchtlinge ein neues Zuhause bei der Stiftung Beiserhaus in Bebra. Neun junge Männer aus Kriegs- und Krisengebieten leben in der Wohngruppe. Einer, der von Anfang an in dem Haus wohnt, ist der 18-jährige Gholam aus Nordafghanistan.

Bebra. In dem Haus mit orangefarbenem Anstrich in Bebra sitzt Gholam leicht nach vorne gebeugt auf einem Stuhl. Die dunkelbraunen Augen des Jugendlichen leuchten. Auf den Lippen ein leichtes Lächeln. Die Hände hat er locker ineinander gelegt. Bevor Gholam erzählt, überlegt er einen Moment. „Ich bin 18 Jahre und gehe in die neunte Klasse der Brüder-Grimm-Gesamtschule“, sagt er schließlich. Obwohl er die deutsche Sprache bereits gut versteht und spricht, zögert er.

Seit über einem Jahr ist die Wohngruppe für junge Flüchtlinge Gholams neues Zuhause. Aus seinem Heimatland ist der 18-Jährige geflohen. Schlepper brachten ihn von Afghanistan über den Iran und die Türkei bis in die Europäische Union. Über seine Erlebnisse von der Flucht spricht der 18-Jährige, wie die anderen Flüchtlingskinder, nur sehr selten.

Ob es für ihn schwer war Deutsch zu lernen? „Sehr schwer“, sagt Gholam und lacht. Doch er will lernen. „Ich freue mich in die Schule zu gehen“, sagt er. Zu seinen Lieblingsfächern gehört Geschichte. Auch in Mathe ist er gut, sagt er, lächelt und schaut kurz auf den Boden.

Grün, rot, schwarz

Das Zimmer von Gholam liegt im Erdgeschoss des orangefarbenen Hauses. Es ist groß und hell. Die Möbel - Bett, Tisch und Schrank - hat der 18-Jährige sich selbst ausgesucht. An den weißen Wänden hängen Fotos und selbst gemalte Bilder.

Auch die Farben seines Heimatlandes finden sich in Gholams Zimmer: Neben einer Flagge hat der 18-Jährige ein selbst gemaltes Bild in grün, rot und schwarz aufgehangen. Zwischen den beiden Flaggen hängt die Zeichnung eines Mädchens. „Meine Freundin“, sagt Gholam.

Der 18-Jährige spielt Fußball im Verein, mag Volleyball und hört viel Musik. „Am liebsten iranische und afghanische Musik“, sagt er. Beim Essen mag er es persisch: Reis mit Fleisch gehört zu seinen Lieblingsgerichten.

In dem Zimmer von Gholam hat alles seinen Platz. Seine Sachen hat er ordentlich im Schrank verstaut, auf dem Tisch steht seine Musikanlage. „Ich mag Sauberkeit“, sagt er. Deshalb fällt ihm auch das Einhalten des Putzplanes für das Gemeinschaftsbad eine Tür weiter nicht schwer.

Wenn Gholam aus der Schule kommt, setzt er sich zuerst an die Hausaufgaben. „Das muss gemacht werden“, sagt er und nickt ernst mit dem Kopf. Dann lächelt er wieder.

45 Minuten am Tag verbringt Gholam im Computerzimmer im ersten Stock. „Ich habe auch meinen eigenen Laptop“, sagt er und wirkt dabei ein bisschen Stolz. Nach über einem Jahr fühlt sich der 18-Jährige aus Nordafghanistan rundum wohl in Bebra: „Ich habe mich gut eingelebt.“

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Von Verena Koch

Quelle: HNA

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