Im Klinikum Bad Hersfeld gibt es einen Akutschmerzdienst – Die „Pain-Nurse“ verschafft Linderung

Es geht auch ohne Schmerzen

Oberärztin Dr. Erika Köhalmi und Facharzt Dr. Philipp Altmannsberger zeigen die Sonde am Rücken des Prostata-Patienten und das Steuerungsgerät, mit denen wohl-dosiert Medikamente abgegeben werden, sodass Schmerz gar nicht erst entsteht. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Der ältere Herr aus dem Schwalm-Eder- Kreis hat eine normalerweise schmerzhafte Operation hinter sich: Dem 63-Jährigen wurde die Prostata entfernt. Doch schon kurz nach dem Eingriff ist er wieder auf den Beinen: „Ich hatte schon nach dem Aufwachen überhaupt keine Schmerzen“, berichtet er. „Es geht ganz wunderbar mit dem Gerät.“

Das Gerät ist ein Schmerzkatheter. Nahe des Rückenmarks wurde dem Patienten eine Sonde gelegt. Über eine tragbare Pumpe wird nun regelmäßig und wohl dosiert Schmerzmittel abgegeben, der Patient bleibt aber mobil. Sollte es doch einmal wehtun, hat der Patient die Möglichkeit, über eine Art Pumpe weitere Medikamente zu injizieren.

„Wir lassen Schmerz erst gar nicht entstehen“, sagt Dr. Martin Grapengeter, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und spezielle Schmerztherapie am Klinikum Bad Hersfeld. Was zunächst selbstverständlich klingt, ist in Deutschland noch eher selten.

Schmerz empfinden die Patienten höchst individuell. Das hängt von vielen Faktoren ab.

Dr. Martin Grapengeter

Nur rund die Hälfte aller Kliniken verfügen über einen akuten Schmerzdienst, noch viel weniger über speziell dafür geschultes Personal. „Viele Patienten denken immer noch, Schmerz gehört dazu“, erläutert Facharzt Dr. Philipp Altmannsberger.

Doch das muss nicht mehr sein. Schmerztherapeuten verfügen über eine spezielle Ausbildung und können beispielsweise hochwirksame Morphin-Präparate einsetzen. Trotzdem muss kein Patient Sorge haben, davon abhängig zu werden – dafür sorgt die medizinisch-überwachte Dosierung, erklärt Altmannsberger.

Schmerz ist ohnehin höchst individuell und hängt unter anderem von der Lebenssituation, dem kulturellen Hintergrund, aber auch vom Geschlecht ab. Deshalb bestimmen die Patienten anhand einer Skala von 1 bis 10 selbst, wie sehr es wehtut, erklärt Dr. Grapengeter.

Eine weitere Besonderheit am Klinikum ist der stations-übergreifende Einsatz der Schmerztherapeuten. Von den einzelnen Fachabteilungen erfahren sie die Krankheitsbilder und Behandlungswege der einzelnen Patienten und können sich sofort nach der Operation auf sie einstellen.

Dafür sorgen speziell ausgebildete „Pain-Nurses“ (Schmerz-Pfleger) wie Thomas Quitsch. Der Fachpfleger für Anästhesie hat hierfür Fortbildungen im Bereich der Anästhesie und der Schmerztherapie absolviert.

„Schmerz hat einen großen Einfluss auf den Verlauf der Krankheit und verlängert deshalb oft den Krankenhausaufenthalt“, erläutert Dr. Grapengeter. Hier setzt die „engagierte Schmerztherapie“ des Klinikums an.

„Wir leisten schnelle Hilfe für alle Patienten“, erklärt Quitsch, der mit einem gut-bestückten Alu-Rollkoffer voller Gerätschaften und Medikamente zwischen allen Abteilungen des Klinikums hin- und herpendelt. Alle Patienten werden mindestens zweimal täglich von der Pain-Nurse besucht, der Schmerz hat also gar keine Chance, chronisch zu werden.

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Von Kai A. Struthoff

Quelle: HNA

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