Ruth Rosenthal aus Israel besuchte die Heimat ihrer Rotenburger Vorfahren

Gefühl wie heimkommen

Vor der Rotenburger Mikwe: Ruth Rosenthal drückt Dr. Heinrich Nuhn die Hand. Fotos:  Meyer

Rotenburg. Ruth Rosenthal kommen Tränen, als sie erklären möchte, was der Deutschland-Besuch für sie bedeutet. Sie ist glücklich, hier eine Familie zu bekommen, erklärt sie auf englisch. Über ihre Vorfahren habe sie bisher so wenig gewusst. Ruth Rosenthal, deren jüdische Großmutter Rosa Brandes in Rotenburg geboren wurde, war kürzlich mit ihrer Familie aus Israel zu Besuch in Rotenburg.

Rosas Sohn, Ruths Vater Walter, flüchtete 1937 vor den Nazis nach Palästina. Dort wurde Ruth geboren. Sie wuchs in Israel auf. Ihren Vorfahren ist die heute 67-Jährige in Deutschland auf der Spur. Ihre gegenwärtige Familie hat sie mitgebracht: Kinder und deren Partner, Enkelkinder sowie die beste Freundin - mit 15 Personen ist Ruth Rosenthal angereist. Sie alle wollten dabei sein, als in Meinerzhagen Stolpersteine für Rosa Brandes und deren Schwester Paula verlegt wurden. Beide zogen um 1900 in den Ort in Westfalen. Rosa starb dort 1938, ihre Schwester wurde später in Treblinka ermordet.

In Rotenburg hieß die erste Stadträtin Ursula Ender die Gäste aus Israel vor der Mikwe, dem jüdischen Museum, willkommen. „Überzeugen Sie sich, dass Rotenburg sich zu einer menschlichen und freundlichen Stadt entwickelt hat“, sagte Ender. Die Gäste bedankten sich herzlich für die freundlichen Worte. Bei Dr. Heinrich Nuhn, der die Geschichte jüdischer Familien in Nordhessen untersucht, staunten sie über seitenlange Stammbäume und rätselten vor einem alten Foto, welches der abgebildeten Rotenburger Schulkinder Rosa sein könnte.

Ruths 46-jähriger Sohn Amir Rosenthal-Avitov aus der Nähe von Tel Aviv war beim Rotenburg-Besuch dabei und brachte auch eigene Kinder mit. Er wolle, dass seine Kinder verstünden, wie wichtig es für die Juden sei, ein eigenes Land zu haben, wo sie sicher seien. Auch, wenn es lange her ist, dass seine Vorfahren hier gelebt haben, sagt er: „Es fühlt sich an, als ob ich heimkomme.“

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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