Gedenkfeier zum 20. Juli: Widerstand heute gefragt

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Will die Menschen wachrütteln: Der Theologe Dr. Stöhr aus Bad Vilbel war der Redner bei der Gedenkfeier in Imshausen anlässlich des Jahrestages des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler.

Imshausen. Die Werte der Widerstandskämpfer zum Maßstab machen für das eigene Handeln - dieser Aufruf bildete den Kern der Rede von Professor Dr. Martin Stöhr am Imshäuser Gedenkkreuz für den Widerstandskämpfer Adam von Trott.

Der Theologe Dr. Stöhr aus Bad Vilbel war Redner bei der Gedenkfeier anlässlich des Jahrestages des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944.

Zu Füßen des Kreuzes hat Adams Ehefrau Dr. Clarita von Trott zu Solz, die kürzlich als letzte Witwe der Widerstandskämpfer verstarb, ihre letzte Ruhestätte gefunden. Eine von ihr in einem Interview gestellte Frage machte der Redner zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen: Welchen Sinn der 20. Juli für Menschen der nächsten Generation habe, hatte sie gefragt und darauf selbst die Antwort gegeben: Die Widerstandskämpfer hätten zwar keinen Erfolg gehabt. „Aber sie setzten Maßstäbe.“

„Neue tödliche Gefahren“

Von dem von den Helden des 20. Juli gezeigten Widerstand gegen das verbrecherische Nazi-Regime schlug Dr. Stöhr die Brücke zu dem Widerstand, den er heute für notwendig hält: gegen die Dominanz des Marktes, die blind mache für alle, die in Armut lebten, gegen die Gleichgültigkeit gegenüber Entwicklungen, die, Völker- und Menschenrechte übergehend, zu Krieg und Terror führten. Und gegen die Macht von Feindbildern, die verhinderten, den Menschen als Mitmenschen zu sehen.

Professor Dr. Martin Stöhr

„Ohne ein derartiges Wachrütteln gegenüber neuen tödlichen Gefahren ist ein Gedenken nicht zu haben“, ermahnte der Theologe und ergänzte: „Schon gar nicht an einem Kreuz, das auf den hinweist, der es vor zwei Jahrtausenden schleppen musste, der gefoltert und aufgehängt wurde. Man wollte ihn und seine Maßstäbe loswerden.“

Dabei deutete der Redner den Geist der Widerstandskämpfer so, dass er inhaltlich weit über die Beseitigung des Hitler-Regimes hinausreichte: „Sie waren Internationalisten und Ökumeniker, hatten die Bewohnerinnen und Bewohner der internationalen Völkergemeinschaft und des ganzen bewohnten Erdkreises im Blick.“

Etwa 200 Gäste waren zu der Feier in Imshausen gekommen, die zum 30. Mal stattfand. Veranstalter waren wieder die Stiftung Adam von Trott und der SPD-Unterkreis Rotenburg. Der Solzer Posaunenchor spielte Musik.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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