Gedenken an die Ausschreitungen gegen Juden

Die Gedenktafel der Stadt Bebra: Sie wird am Samstag um 14 Uhr vor dem Rathaus in Bebra angebracht. Das Foto zeigt Schüler des Beruflichen Gymnasiums mit Dr. Ulrich Schneider, hinten links, und vorn rechts Zeitzeuge Hans Horn. Foto:  Schankweiler-Ziermann

Bebra. Absolute Stille: Roman Melamed liest ein Gebet auf Hebräisch, dann auf Deutsch. „Gott möge die Seelen der sechs Millionen Juden, den Opfern der Schoa in Europa, ... hingeschlachtet oder verbrannt und vernichtet... ewig im Schutz Seiner Fittiche bergen und sie in den Bund des Lebens aufnehmen“. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Fulda berührt mit diesem traditionellen Gebet die Menschen in der Aula der Beruflichen Schulen. Erinnerung ist wichtig, sagt Roman Melamed.

Auch die anderen Redner zur Gedenkfeier anlässlich der Novemberpogrome vor 75 Jahren sprechen immer wieder von Erinnerung. „Es waren Menschen wie du und ich, mit denen man jahrzehntelang Tür an Tür gelebt hatte, die aus unserem Leben getilgt wurden“, sagt Bürgermeister Horst Groß. Dies dürfe nie wieder geschehen. Auf einer Gedenktafel, die am Samstag um 14 Uhr vor dem Bebraer Rathaus aufgestellt wird, sind künftig die Namen von jüdischen Mitbürgern verzeichnet, die deportiert und ermordet wurden.

Schon seit 1933 wurde die jüdische Bevölkerung drangsaliert. So wurden die jüdischen Männer bereits 1934 in einem Bebraer Hotel zusammengerufen und mussten unterschreiben, dass ihnen kein Haar gekrümmt worden sei. Anschließend verprügelten SA-Leute die Männer mit großer Brutalität. Dieses Geschehen und viele weitere Berichte von der „Reichskristallnacht“ oder der Ankunft im KZ Buchenwald trugen Schüler des Beruflichen Gymnasiums (BG) und Fachbereichsleiter Dr. Ulrich Schneider vor. Auch ein beklemmender Text von Bertolt Brecht gehörte dazu, und zwei berührende jiddische Lieder von Esther Bejarano wurden gespielt, dem Mädchen, das Auschwitz überlebte, weil es Musik machen musste, wenn die Häftlinge zur Arbeit oder in den Tod gingen.

Als fast 18-Jähriger erlebte Hans Horn die Pogrome. Mit Unterstützung von Pfarrer Johannes Nolte berichtete der 92-jährige Bebraner, dass er nicht habe verstehen können, wie man die Synagoge, ein Gotteshaus, so zerstören konnte (Bericht folgt).

Schulleiter Wolfgang Haas hatte die Gäste zu der Veranstaltung der Stadt Bebra in der Aula willkommen geheißen.

Fotos von der Gedenkfeier

Gedenken an Pogrome in Bebra und Rotenburg

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Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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