Bessere Frühdiagnose erhöht die Quote auch am Klinikum Bad Hersfeld

Jedes dritte Baby kommt per Kaiserschnitt zur Welt

Hersfeld-Rotenburg. Immer mehr Kinder kommen per Kaiserschnitt zur Welt. Auch im Klinikum Bad Hersfeld, dem einzigen Krankenhaus im Kreis Hersfeld-Rotenburg, in dem noch Entbindungen stattfinden, ist das nicht anders: Gut ein Drittel der Babys werden hier per Kaiserschnitt entbunden.

Die Gründe dafür sind auch für den Chefarzt der Frauenklinik, Dr. Kai Fischer, nicht leicht zu erklären. Er arbeitet seit 25 Jahren in der Geburtshilfe und weiß, dass zu Beginn seiner Tätigkeit die Kaiserschnittrate noch bei etwa zehn Prozent lag. Unter Gynäkologen habe man weltweit eine Zunahme an Kaiserschnitten registriert.

Bequemlichkeit werdender Mütter oder deren Angst vor Schmerzen einer spontanen, also „normalen“ Geburt – wie häufig unterstellt wird – ist nach seiner Ansicht keine Ursache für den Eingriff. Vorstellbar sei eher eine bessere Frühdiagnostik: Risiken für Mutter und Kind seien eher erkennbar und ließen Mediziner im Zweifelsfall eine Entscheidung für den Kaiserschnitt treffen.

Frauen seien heute schon durch das Internet weitaus besser über Entbindungsmöglichkeiten informiert, allerdings nicht immer vollständig und objektiv. So könne ein Kind in Beckenendlage durchaus normal entbunden werden, diese Lage werde aber auch als Grund für einen Kaiserschnitt akzeptiert – weil er schonender für das Kind sei.

Dass eine Klinik durch einen Kaiserschnitt mehr Geld einnehme als eine spontane Geburt sei unterm Strich nicht richtig, erklärte Dr. Fischer weiter. Deshalb wehrt er sich auch gegen Unterstellungen, in Krankenhäusern würde aus Kostengründen zunehmend zu Kaiserschnittentbindungen geraten. Dafür müsse es immer medizinische Gründe geben, schließlich handele es sich dabei um einen operativen Eingriff mit allen Risiken.

Hintergrund: 335 Kinder per Kaiserschnitt

874 Kinder sind 2012 im Klinkum Bad Hersfeld zur Welt gekommen, zwölf Zwillingsgeburten waren darunter. In 335 Fällen wurden die Kinder per Kaiserschnitt entbunden. Zum Vergleich: 2011, als auch im Elisabeth-Krankenhaus und im Kreiskrankenhaus Rotenburg noch entbunden werden konnte, gab es im Klinikum 683 Geburten, davon 231 Kaiserschnitte.

Von den spontanen Geburten 2012 fanden 35,4Prozent ohne Anästhesie statt, bei 18,8 Prozent wurde eine Periduralanästhesie zur Schmerzminderung eingesetzt, bei weiteren 45,8 Prozent eine Lokalanästhesie. Kaiserschnitte wurden unter Vollnarkose und Spinalanästhesien vorgenommen.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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