Der 74-jährige Bebraer Norbert Körösi ist immer wieder im Himalaya unterwegs

Fremdartigkeit zieht ihn an

Das Reiseziel vor Augen: Norbert Körösi aus Bebra vor dem Himalaya-Berg Shivling, der den Hindus als Symbol für die Schöpfungskraft des Gottes Shiva gilt. Foto: Privat/nh

Bebra. Im Schnee kauerte ein Mann mit Bart, einen Turban um den Kopf geschlungen. Mit blutunterlaufenen Augen starrte er unentwegt direkt in die Sonne, wälzte sich später mit freiem Oberkörper im Schnee. Norbert Körösi, 74-jähriger Bahn-Pensionär aus Bebra, hatte die eigenartige Begegnung mit dem Asketen auf gut 5000 Metern Höhe, am Ziel seiner jüngsten Reise in den Himalaya.

Es ist die Fremdartigkeit der fernen Welt, die Norbert Körösi immer wieder in das Himalaya-Gebirge zieht. Vor 13 Jahren unternahm Körösi die erste Reise auf das Dach der Welt, wie das Gebirgssystem zwischen dem indischen Subkontinent im Süden und dem tibetischen Hochland im Norden wegen der Höhe seiner Gipfel genannt wird. „Einmal Himalaya, immer Himalaya“, prophezeite ihm damals ein Bergsteiger, den er am Flughafen traf. Der Mann hat Recht behalten: Körösi reiste in diesem Jahr zum zehnten Mal auf das Dach der Welt. Sein Ziel: die Quelle des heiligen Flusses Ganges.

Schutt, Geröll und Gletscher

Mit zwölf Reisenden und einer etwa gleich großen Gruppe von Bergführern und Trägern durchwanderte er die unwirtliche Grau-in-grau-Welt aus Schutt, Geröll und Gletschern. Bilder zeigen Körösi mit Wanderstöcken und Schirmmütze lächelnd vor der Kulisse schneebedeckter Gipfel. Er hat seine Reisebegleiter beim Überqueren reißender Gebirgsbäche fotografiert und die kleine Stadt aus roten Zelten, in denen die Wanderer übernachteten.

Nach zwei Tagen erreichte die Gruppe den Fuß des Berges Shivling, der den Hindus als Symbol für die Schöpfungskraft des Gottes Shiva gilt. Für die Hindus bilden die Berge hier den Mittelpunkt des Universums, den Thron der Götter. Aus zahllosen Rinnsalen fließt der Bhagirathi zusammen, größter Zufluss des Ganges.

Norbert Körösi ist jung geblieben. Nicht nur, dass er als 74-jähriger mühelos Berge erklimmt. Wenn er wandert, erklärt er, dann sei er oft einfach still: „Weil ich mir viel anschaue.“

Vor der Heimreise unterzog sich Körösi, im Schneidersitz auf dem Boden sitzend, am Ufer des Bhagirathi einer religiösen Zeremonie: Er führte die Finger zum Gesicht, breitete die Hände aus, um Energie zu empfangen, und ließ sich orangene Farbe ins Gesicht tupfen. Dabei bat er mit den anderen: „Dass wir heil wieder nach Hause kommen.“

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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