Freidenker auf der Liste - Dominik Fiedler (FDP)

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Vor dem Landgrafenschloss in Rotenburg in Höhe des Wehres: Hier ist ein Lieblingsplatz von Dominik Fiedler (FDP). Er schätzt hier die Atmosphäre, die Erholung vor der Haustür.

Am 22. September werden Bundestag und Landtag gewählt. Unsere Zeitung war mit den Direktkandidaten aus der Region, deren Parteien bereits im Parlament vertreten sind, an deren Lieblingsorten. Heute: Dominik Fiedler, Landtagskandidat der FDP für den Wahlkreis 10 – Rotenburg.

In Heidelberg, wo Dominik Fiedler Jura studiert hat, verbringen die Menschen gerne ihre freie Zeit am Neckar. Die Fuldawiesen gefallen ihm ebenso gut, und sie werden kaum genutzt, sagt der 33-Jährige, der auf der Liste der FDP für den Hessischen Landtag kandidiert. Fiedler liebt alte Gemäuer und die Atmosphäre am Fluss, am Wehr, vor dem Schloss in Rotenburg.

Waldhessen und seine Heimatstadt Rotenburg hat er einem Leben in einer renommierten Anwaltskanzlei in Berlin vorgezogen und ist nach eineinhalb Jahren und vielen Zwölf-Stunden-Tagen Arbeit zurückgekehrt in seine Heimatstadt. Als hoch spezialisierter Anwalt, so sagt er, könne er statt am Gendarmenmarkt überall in Deutschland arbeiten auch in der schönen Mitte und in Rotenburg.

Fiedler ist einer, der sich schon immer durchgebissen hat. Sein Vater ist Getränkefahrer, seine Mutter in einem Kindergarten beschäftigt. Sie hat Dominik, ein Einzelkind, stets ermutigt und ihm die Bedeutung von Bildung vermittelt. Fiedler selbst beschreibt sich als hartnäckig, fast dickköpfig. "Geht nicht, gibt s nicht", sagt er, "sonst bin ich sauer". So begann er trotz einer Behinderung des Arms und der Hand, Basketball zu spielen, obwohl er den Arm gar nicht ganz hochheben kann. Er trainiert bis heute auch Kinder in diesem Sport und verdiente sich früher als Schiedsrichter sein Taschengeld. Tennis spielt er übrigens auch noch.

Den Wunsch, Anwalt zu werden, hatte er schon mit vier Jahren. Der Jurist mit dem Hammer in der Hand aus dem Königlich Bayerischen Amtsgericht im Fernsehen hatte ihn so beeindruckt, dass er es ihm nachtun wollte. Deswegen, so erzählt er, und blickt auf die Rotenburger Altstadt, wollte er auch das Abitur machen.

Politik hat in Fiedlers Familie immer eine Rolle gespielt, stets wurde diskutiert, allerdings ohne Bevorzugung einer bestimmten Partei. So wurde er erst vor einem Jahr Mitglied der FDP und bekam sogleich den Posten des Direktkandidaten. Praktisch aussichtslos ist für ihn der Einzug in den Hessischen Landtag: Auf eigenen Wunsch steht er auf dem vorletzten Platz der Liste.

Fiedler erklärt, dass er mit fast allen Parteien Kontakt hat. Seine Grundeinstellung sei liberal und diese finde man auch in anderen Parteien. "Ich bin kein Parteisoldat, ich habe meinen eigenen Kopf", sagt der 33-Jährige. Als FDP-Kandidat werde er generell eher gehört und könne die Partei von innen her verändern. Ein Parteikorsett sei ohnehin schwierig für einen Freidenker.

Er orientiert sich an den Grundsätzen der FDP, an Hans-Dietrich Genscher und Gerhard Baum. Chancengleichheit, kein originäres Thema der FDP, ist sein Thema Nummer eins.

Von Wahlkampf hält Fiedler nicht viel, zumal er zurzeit an seiner Doktorarbeit schreibt. Wahlplakate, so sagt er, seien moderner Spam. "Alle wollen doch das gleiche, dass es allen besser geht." Die Frage sei nur, welchen Weg man einschlage, erklärt der junge Anwalt. Auf kommunaler Ebene sei Parteipolitik wenig hilfreich.

Auch als Justitiar des Hessischen Basketballverbands und zweiter Vorsitzender der "Wildhessen" betätigt sich Fiedler und genießt in seiner knappen Freizeit die Ruhe an der und den Blick auf die Fulda.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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