Vortrag der Historikerin Frauke Geyken

Frauen im Widerstand: "Sie haben das Erbe bewahrt"

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Sprach über die Frauen des deutschen Widerstands: die Göttinger Historikerin Dr. Frauke Geyken.

Imshausen. „Kaffee kochen für den Widerstand?“, diesen Titel hatte die Göttinger Historikerin Dr. Frauke Geyken für ihren Vortrag in Imshausen gewählt. Darin stellte sie die Biographien von Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus vor.

Und sie kochten nicht nur Kaffee, das wurde schnell klar. Stellvertretend für die vielen Frauen, die in der Nachkriegszeit höchstens als „Frauen ihrer Männer“ wahrgenommen wurden, stellte Geyken insbesondere Annedore Leber, Rosemarie Reichwein und Clarita von Trott zu Solz näher vor.

Wie viel die Frauen von den Widerstandsaktivitäten ihrer Männer wussten und wie aktiv sie selbst dabei waren, war sehr unterschiedlich. So berichtete Geyken, dass Freya von Moltke bei vielen der Treffen des Kreisauer Kreises dabei war. Andere Frauen wie Rosemarie Reichwein hätten zwar grundsätzlich gewusst, dass ihre Männer aktiv waren, seien aber in Details bewusst nicht eingeweiht gewesen. Dies, sagte Geyken, sei nicht geschehen, weil den Männern das Vertrauen zu ihren Ehefrauen gefehlt habe, sondern um die Familien besser schützen zu können.

Viele der Frauen, unter ihnen auch Clarita von Trott und Annedore Leber wurden nach dem gescheiterten Attentat Opfer der Sippenhaft. Von der Hinrichtung ihrer Männer erfuhren sie teilweise erst Wochen später. Ihnen seien auch die Kinder weggenommen worden: Die jüngeren kamen in ein SS-Kinderheim in Bad Sachsa. Das betraf auch die beiden Töchter Adam von Trotts, die aus Imshausen abgeholt wurden und für mehrere Monate verschwunden blieben.

Nach Kriegsende

Doch auch nach Kriegsende blieb die Situation schwierig: Die Frauen mussten nicht nur mit dem Tod der Männer fertig werden und die Existenz ihrer Familie sichern. Ihre hingerichteten Gatten galten lange als Verräter, und den Familien wurde bis in die frühen 50er-Jahre jegliche Hinterbliebenenversorgung verweigert.

Gegenseitige Unterstützung und ein eigenes Hilfswerk konnten in den ersten Jahren nach dem Krieg die größte Not lindern. Viele der Frauen stellten sich jedoch schon bald auf eigene Füße und meisterten ihr Leben mit bewundernswerter Kraft, sagte Geyken: Rosemarie Reichwein arbeitete erfolgreich als Krankengymnastin, Clarita von Trott begann ein Medizinstudium, und Annedore Leber führte einen eigenen Verlag, in dem die ersten Bücher über den Widerstand erschienen. Sie sah sich selbst als „Nachlassverwalterin des deutschen Widerstandes“.

Geyken betonte besonders, dass die Familien eine enorme Lebensleistung erbracht haben: In unzähligen Zeitzeugengesprächen, Filmen und Büchern hätten sie dazu beigetragen, dass die Todesurteile aufgehoben wurden und sich die Haltung der Öffentlichkeit zum Widerstand inzwischen gewandelt habe. (red/mcj)

Quelle: HNA

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