Carolin Richardt ist neue Schulsozialarbeiterin an gleich drei Grundschulen

„Frau Richi“ setzt aufs Spiel

Carolin Richardt im Kreise ihrer Schützlinge: Die 23-Jährige ist als Schulsozialarbeiterin an drei Schulen tätig. Das Bild entstand auf dem Pausenhof der Rotenburger Albert-Schweitzer-Grundschule. Foto: Achim Meyer

Rotenburg. Carolin Richardt strahlt Entschlossenheit aus. Sie ist eine, die auch mal mutig Neuland betritt. So wie im vergangenen Jahr: Da bewarb sie sich, als 22-Jährige direkt von der Universität kommend, auf eine neu eingerichtete Stelle. Seither betreut sie als Schulsozialarbeiterin die Grundschulen in Rotenburg, Lispenhausen und Heinebach.

Die Schulsozialarbeiterin hat die Aufgabe, sich den Kindern zu widmen, die Schwierigkeiten haben, ihren Platz im sozialen Gefüge der Klassen zu finden. In einer zweiten Klasse in Rotenburg gab es zwei Jungs, die einen dritten beim Spielen auf dem Pausenhof nicht dabei haben wollten. Carolin Richardt, „Frau Richi“, wie die Kinder sie liebevoll nennen, entführte die ganze Klasse für eine Schulstunde in einen freien Klassenraum. Da durften die Schüler die Situation nachspielen und dabei in unterschiedliche Rollen schlüpfen. Die Kinder, so Richardt, würden so merken, „dass es auch anders geht, dass man auch gemeinsam spielen kann“. Dabei sprengt Richardt das soziale Gefüge, in dem Mobbing oder Ausgrenzung entstanden sind. „Raus aus den Klassen“, das ist ihr wichtig. Die Stühle schiebt sie zur Seite oder baut einen Sitzkreis. „Ich will das Am-Tisch-Sitzen aufbrechen“. Wichtig ist ihr dabei, sich den Kindern gegenüber in ihrer Rolle als Sozialarbeiterin von der der Lehrer abzugrenzen.

Daumen drauf geht nicht

Richardt bietet Verhaltenstraining, Sozial- und Konzentrationstraining an. Wenn es ein Problem in der Familie zu geben scheint, spricht sie auch mit den Eltern. Ihre Aufgabe erklärt sie so: „Es geht nicht, von oben den Daumen draufzuhalten und zu sagen, Sie machen das und das falsch.“ Richardt bietet das Gespräch an und stellt Kontakte zu Beratungsstellen oder zum Jugendamt her.

Obwohl Carolin Richardt sich bei der Arbeit gleich drei verschiedenen Schulen widmen und ihre Aufmerksamkeit entsprechend aufteilen muss, kennen die Schüler sie und schätzen offenkundig ihre beherzte und ungekünstelte Art. Wenn sie über den Pausenhof geht, dann kommen die Kinder auf sie zu, präsentieren stolz die neuesten Kratzer vom Toben oder begrüßen einfach nur ihre „Frau Richi“.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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