Mit Föhn und Wodka

Hersfelder Festspiele im Regen: Schlechtes Wetter fordert Darsteller und Kostümabteilung

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Mit Föhn, Wodka und Bürste im Einsatz: Unser Bild zeigt (von links) Ella Späte, Eugen Dittrich und Kerstin Micheel mit dem Mantel von Sally Bowles im Musical "Cabaret".

Bad Hersfeld. „Erfahrene Ankleider haben immer eine Flasche Wodka zur Hand“, wissen Kerstin Micheel und Ella Späte. Regen und Kälte sind bei den Bad Hersfelder Festspielen nicht nur für die Darsteller eine Herausforderung: Auch die Kostümabteilung hat nach einer nassen Vorstellung einiges zu tun.

Besonders schwer zu trocknen und zu reinigen sind Federn, Pelze oder dicke Wollmäntel, wie sie im Musical „Cabaret“ zu sehen sind. Die gefärbten Federn kommen in einem extra angefertigten Baumwollsack bei niedriger Temperatur in den Trockner, anschließend werden sie aufgeföhnt und vorsichtig gebügelt, erklärt „Trockenkünstler“ Eugen Dittrich.

Die Mitarbeiter der Kostümabteilung unter der Leitung von Micheel und Späte kennen alle Tipps und Tricks. Wodka aus der Sprühflasche entzieht Gerüche und tötet Bakterien ab. Der am Montagabend bei andauerndem Regen nass gewordene Kunstpelzmantel von Sally Bowles ist auch am nächsten Mittag noch klamm. „Wenn er bis heute Abend nicht trocken ist, werde ich ihn föhnen und ausbürsten“, so Micheel.

Vorsicht, Rutschgefahr: Das Rondell auf der Bühne mit dem schräg stehenden Flügel in „Cabaret“ ist nachträglich mit einer speziellen Farbe bestrichen worden, um es rutschfester zu machen.

Schuhe werden jedes Mal neu imprägniert – „Das macht viel aus“, weiß Dittrich – und wenn sie nass sind, mit alten Zeitungen ausgestopft. „Illustrierte eignen sich nicht so gut“, erklärt Späte schmunzelnd, die auch mit einem Vorurteil aufräumen möchte: „Es gibt keine Kostüme extra für Regen und auch keine doppelten Kostüme.“ Bei der Auswahl der Kleidung werde darüber hinaus nicht zuerst an deren Regentauglichkeit gedacht. „Jedes Stück hat besondere ästhetische Erfordernisse. Wir versuchen, die Stücke so verantwortungsvoll und prächtig auszustatten, wie es geht“, so Späte. Während der Aufführungen bleibt keine Zeit, nasse Sachen zu trocknen. Unangenehm ist das vor allem bei Kleidungsstücken, die direkt auf der Haut getragen werden. „Aber die meisten Darsteller sind hart im Nehmen und auf der Bühne kommen Anspannung und Konzentration hinzu“, sagt Eugen Dittrich.

Regencapes über den Kostümen gehen gar nicht. „Das ist ein No-Go“, meint Micheel. „Die Zuschauer möchten ja auch einen optischen Genuss erfahren.“ Die Tanzschuhe der Musical-Darsteller werden mit Gummisohlen versehen, Ledersohlen wären auf der nassen Bühne viel zu gefährlich.

Bei den „Sommernachts-Träumereien“, die auf der Wiese neben der Ruine aufgeführt werden, sind es übrigens Grasflecken, die der Kostümabteilung viel Arbeit machen. Aber auch da wissen die Experten Rat: Mit Gallseife und Bleichmittel sind grüne Stellen auch aus hellen Hosen herauszubekommen. „Das haben wir extra vorher getestet“, verrät Späte.

Um die bewegliche Bühne in „Cabaret“ und vor allem den schräg stehenden Flügel rutschfester zu machen sind diese mit einem speziellen Gemisch gestrichen worden. „Wir haben schon bei den Proben im Regen festgestellt, dass es dort sehr glatt ist“, erklärt Co-Regisseur und Abendspielleiter Erik Petersen. Halten soll das bis zur letzten Aufführung. Wo Pfützen entstehen, wird die Bühne abgeflitscht. „Da kommt uns die Pause zugute“, so Petersen.

Viel schlimmer als der Regen sei aber die Kälte, sagt Petersen mit Blick auf die Gesundheit der Darsteller. Noch seien jedoch alle fit, und überhaupt müsse es schon ganz schlimm sein, damit sich jemand „abmelde“. Beim Ausfall eines Tänzers steht immer ein „Cover“, also ein Ersatz, bereit. Fiele eine Hauptrolle aus, müsse in Absprache mit der Intendanz möglichst nach einem in der Rolle bereits erfahrenen Ersatz gesucht werden. „Aber an so etwas denkt man besser gar nicht.“ Abgebrochen werde eine Aufführung eigentlich nur bei Gewitter oder argem Starkregen. (nm)

Quelle: HNA

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