Junge Männer, Familien und Babys nun im ehemaligen Toom-Markt

97 Flüchtlinge haben Notunterkunft in Bebra bezogen

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Sind am Donnerstag in Bebra angekommen: Eine Familie aus Afghanistan. Hinten die Großmutter mit Sohn und Tochter (rechts) sowie drei Enkeln. Deren Großvater und zwei Tanten sind noch in der Heimat.

Bebra. Menschen aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Irak und Eritrea sind am Donnerstag in Bebra eingetroffen und haben die Notunterkunft im ehemaligen Toom-Baumarktgebäude bezogen.

Toom-Markt in Bebra: 97 Flüchtlinge zogen jetzt in die Notunterkunft.

Die Menschen, überwiegend junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren, aber auch Familien, viele Kinder und Babys sind mit zwei Bussen um 16.15 und um 17 Uhr angekommen. Das erklärte auf Anfrage Kreispressesprecher Dirk Herrmann. AmSamstag werden weitere 28 Menschen erwartet. Ursprünglich waren 200 für diese Woche angekündigt worden, Platz ist für 400 bis 600. Die Flüchtlinge sind laut Herrmann über Österreich nach Mannheim gelangt und von dort weiter nach Gießen. Dort sind sie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) registriert und medizinisch untersucht worden. In Bebra folgte die nächste Registrierung: Sie bekamen Bändchen, die sie an der Essensausgabe benötigen. Es gab Gulasch, berichtet der Pressesprecher. Gefragt war auch eine ärztliche Sprechstunde.

Wie im Herkules in Bad Hersfeld hat auch in Bebra das Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg die Verpflegung übernommen. Betreiber ist derzeit noch der Kreis mit Mitarbeitern aus dem Katastrophenschutz, acht Kräften des DRK Rotenburg und drei Dolmetschern. Ein neuer Betreiber soll ab März übernehmen. Für Sicherheit im Haus und den Objektschutz sorgt ein Security-Unternehmen.

In der Notunterkunft in Bad Hersfeld leben aktuell 165 Flüchtlinge. Solange hier noch Windpocken auftreten, werden keine weiteren einquartiert.

Landrat Dr. Michael Koch spricht von einer ungewohnten Situation für die Bürger in Bebra. Er nehme die geäußerten Sorgen sehr ernst. In Bad Hersfeld und in Rotenburg habe sich aber gezeigt, dass die Auswirkungen auf den Alltag gering seien.

Ein junger Mann läuft mit einer Plastiktüte in der Hand und dem Handy am Ohr am Wiesenweg in Richtung des ehemaligen Toom-Markts. „No English, Arab“, gibt er zu verstehen, bestätigt aber: Ja, er ist Syrer. Nach einem Blick der beiden Wachleute in seine Tüte geht er weiter zum Haupteingang, wo zwei weitere junge Männer in der Kälte stehend telefonieren.

Unbefugte dürfen das Gelände nicht betreten. Parkplätze samt Gebäude sind mit einem schwarzen Sichtschutz umstellt. Nur im vorderen Bereich ist die Absprerrung so weit zurückgesetzt worden, dass ein kleiner Parkplatz geblieben ist.

Zwei Männer aus dem Irak bleiben noch am Wiesenweg stehen, als sie angeprochen werden. Einer der beiden spricht Englisch. Er hat einen Adapter fürs Handy gekauft. Seiner ist ins Meer gefallen. Der 29-Jährige erzählt, warum er jetzt hier ist: Man sei in der Heimat zwischen die Fronten von ISIS und Milizen geraten. Es werde immer schlechter, die Menschen in seiner Heimat seien bedroht, sagt er, es gebe ständig Entführungen, Menschen würden getötet.

Er ist sehr glücklich, nun in der Bebraer Notunterkunft zu sein, sie sei „very good“, betont er, „sehr gut“. Er ist vorausgegangen, um seiner Familie zu Hause den Weg zu öffen (open my family the way). Man müsse nun ganz von vorn anfangen, sagt der 29-Jährige. Er spricht Englisch, das wird ihm helfen. Sein Begleiter wird es ohne diese Sprachkenntnisse schwer haben.

Lob für die Security

Drei junge und ein älterer Mann aus Pakistan loben die freundliche Security, haben aber Probleme mit dem Essen. Es gab kaltes Brot zum Frühstück, berichten sie. Zu Hause kenne man nur warmes Brot. Der ältere Mann war schon drei Jahre in Norwegen, berichtet er. Dort sei es nicht so gut gewesen.

Ein Kleinbus des DRK fährt auf das Gelände, das gerade eine sechsköpfige Familie aus Afghanistan verlässt. Eine Großmutter mit Sohn, Tochter und drei Enkelinnen. Der Opa ist noch in Afghanistan mit zwei weiteren Töchtern. Mit Bussen und Bahnen ist die Familie über 6700 Kilometer von Afghanistan bis Bebra gereist. Die Mädchen sind ganz offensichtlich sehr gespannt auf Deutschland. „Danke“ - das ist das erste Wort, das sie lernen.

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