Flucht in die Freiheit: Ausstellung in Rotenburg eröffnet

Flüchtlings-Kunst: Die 27-jährige Sana hat das Bild mit der Frau mit wehenden roten Haaren und umherflatternden Schmetterlingen gemalt. Die junge Frau ist mit ihrem Mann aus Pakistan geflohen, weil sie dort immer wieder politisch verfolgt wurden. Foto: Apel

Rotenburg. In der Rotenburger katholischen Kirche Christus-der-Erlöser zeigen Migranten ihre Bilder. "Flucht in die Freiheit" heißt die kleine Ausstellung, die am Samstag eröffnet wurde.

Muss man es als Zeichen göttlichen Wohlgefallens deuten, wenn der gesamte Altarraum der Rotenburger Christus-der-Erlöser-Kirche bei der Eröffnung der kleinen Bilderausstellung zum Thema „Flucht in die Freiheit“ von wunderschönem, vielfarbig gebrochenem Licht durchflutet wird? „Das kommt nicht allzu oft vor!“, betont Pfarrer Andreas Schweimer, der die Besucher, die auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Flüchtlinge der beiden großen Kirchen in das Gotteshaus gekommen sind, begrüßt. Zusammen mit Kantorin Eva Gerlach zunächst mit Keyboard, Altflöte und Bach, dann unter der Überschrift „Sich vom Bild bilden lassen“ mit Worten.

Eindringlich malt Schweimer den Hintergrund der Bilder vor Augen, die die Flüchtlinge Bashar, Sana, Ali, Askalu, Firas und Nebyat aus Syrien, Pakistan, Afghanistan und Eritrea gemalt haben. Dass sich in ihnen Willkür, Hass, Geringschätzung des Lebens und Todesangst widerspiegeln, „dass wir uns lange geweigert haben, hinzuschauen“ - dass es trotz aller Not gut ist, dass der Einzelne seine Machtlosigkeit im Malen von Bildern verarbeiten kann.

Haltung gibt Halt

Bürgermeister Christian Grunwald beleuchtet, was den Menschen im turbulenten Jahr 2015 Halt gibt. Der Glaube in all seiner Vielfältigkeit, die Kunst, noch viel mehr aber der eigene Standpunkt: „Haltung gibt Halt!“ Er wünscht sich, dass sich jeder eine Meinung bildet, dass Arme und Herzen geöffnet werden, dass nach draußen getragen wird, dass alle Angekommenen willkommen sind, und dass den „Menschen, denen es so viel schlechter geht als uns“ gegen alle lautstark vorgetragenen Parolen Unterstützung zuteil wird.

Die Kunstmalerin Cornelia Assi legt dar, wie man Gerechtigkeit künstlerisch ausdrücken und weitergeben kann und wie die ausgestellten Bilder entstanden sind. Die aus Eritrea stammende Christin Askalu, die zu den ganz wenigen Überlebenden eines mit 200 Menschen besetzten und gekenterten Bootes gehört, und die vielleicht schon in ein paar Stunden Mutter wird, bedankt sich: „Conni ist unsere Mama hier in Deutschland, wirklich!“

Dekanin Gisela Strohriegl verweist auf ein ebenfalls ausgestelltes, im Rotenburger „Café International“ entstandenes Gemeinschaftswerk, ehe Kantorin Gerlach und Pfarrer Schweimer in trauter Ökumene Händels vierhändig auf dem Klavier zu spielendes Präludium nebst Fuge intonieren und zum Rundgang einladen.

Dem neunjährigen Felix Aubel gefällt Sanas Bild von der Frau mit roten Haaren besonders gut. Sein Vater Timo Köbberling findet es toll, dass die Kirche für die Ausstellung und damit für die Flüchtlinge geöffnet wird. Ähnlich sieht es Ursula Bämpfer, die das ökumenische Miteinander lobt.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 18. Dezember, von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Am heutigen Montag, 14. Dezember, und am Donnerstag, 17. Dezember, finden jeweils um 18.30 Uhr Bildmeditationen statt.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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