Wochenendporträt: Bernd Knies züchtet seit vier Jahren fleischfressende Pflanzen

Wo Fliegen zittern müssen

Stolz auf seine Pflanzen: Bernd Knies ist erfolgreich mit seiner Zucht. Er besitzt fleischfressende Pflanzen aus aller Welt. In der Hand hält er ein besonders großes Exemplar der Sarracenia minor, die ursprünglich aus dem Ware County in Georgia, USA stammt. Fotos: Rössing

Ronshausen. Im Gewächshaus ist es feucht und warm. Bernd Knies nähert sich vorsichtig mit einer Pinzette einer Venusfliegenfalle. Er berührt die Fanghärchen – und schon schnappt die Falle zu.

Der Ronshäuser demonstriert die unglaubliche Schnelligkeit der Gewächse beim Beutefang. Seit vier Jahren züchtet er mit Erfolg fleischfressende Pflanzen. In seinem Garten gibt es kaum eine Ecke, in der die exotischen Gewächse nicht stehen.

Ob Kannenpflanzen, Schlauchpflanzen oder Venusfliegenfallen – Bernd Knies züchtet sieben verschiedene Gattungen. Fast doppelt so viele Arten finden sich in den Töpfen, Schalen und im selbst angelegten Sumpf vor dem Haus. Insgesamt hat er nach eigenen Angaben etwa 300 Exemplare zu Hause.

„Die Pflanzen sind eigentlich nicht pflegeintensiv“, berichtet Bernd Knies. „Im Sommer brauchen sie sehr viel Wasser. Im Frühjahr müssen sie umgetopft werden.“ Allerdings seien fleischfressende Pflanzen nichts für Ungeduldige. „Eine Flava kann bis zu einem Meter hoch werden. Allerdings dauert das etwa 15 Jahre.“

Knies gehört seit vier Jahren der gemeinnützigen Gesellschaft für fleischfressende Pflanzen im deutschsprachigen Raum (GfP) an. „Durch jährliche Treffen und Kontakt mit Gleichgesinnten komme ich auch an seltenere Exemplare heran, als die Venusfliegenfalle, die es in praktisch jedem Baumarkt gibt“, erzählt Knies stolz. Trotzdem: Angefangen hatte alles mit besagter Pflanze aus einem örtlichen Baumarkt. Schon vor einigen Jahren habe Knies das Interesse an den Exoten entwickelt, mangels Zuchterfolg aber schnell wieder aufgegeben. Später, als Rentner, hatte er aber wieder mehr Zeit dafür und gab sein ehemaliges Hobby, die Kaninchenzucht, zugunsten der Pflanzen auf. „Ich habe mich selbst in die Thematik eingelesen und Dinge ausprobiert.“

Natürliche Wespenfallen

Durch seine Mitgliedschaft im Verein besaß Knies dann schon bald höchst ansehnliche Exemplare, wie die vom Aussterben bedrohte Alabamensis oder die Utricularia, ein Wasserschlauchgewächs, deren Beutefanggeschwindigkeit mit 5/100 Sekunden die schnellste Bewegung im Pflanzenreich ist. Die Pflanzen ernähren sich selbst. Sie locken alle möglichen Arten von Insekten an. „Besonders gern fallen Wespen auf sie herein“, freut sich Knies. Lästige Mücken im Schlafzimmer muss er trotzdem erleiden, da die Pflanzen ausschließlich draußen stehen.

Auch seine Lebensgefährtin, Sabine Opfer, kümmert sich mit Hingabe um die Gewächse. Gemeinsam bieten die beiden auch in unregelmäßigen Abständen ihre Pflanzen auf dem Landmarkt in Ronshausen an. „Fast noch lieber beraten wir die Menschen aber“, berichten die beiden, da vielen Käufer die Pflanzen durch unsachgemäße Pflege schon nach wenigen Wochen eingegangen seien.

Von Sarah Rössing

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