Montagsinterview: Mezzosopranistin Mareike Morr ist Solistin bei der Aufführung der Tangomesse

Ein Feuer, das nicht erlischt

Stammt aus Rotenburg: Mezzosopranistin Mareike Morr aus Hamburg. Foto: Kröger/nh

Rotenburg. Als Mareike Morr zum ersten Mal vor Publikum gesungen hat, wusste sie sofort: „Das ist meins.“ Ende Mai wird die Mezzosopranistin in Melsungen und ihrer Heimatstadt Rotenburg als Solistin mit der Tangomesse von Martín Palmeri auftreten. Wir sprachen mit ihr über Träume, Tango und ein Feuer, das nicht erlischt.

Ist ein Auftritt in der Heimat für Sie mit besonderer Anspannung verbunden?

Mareike Morr: Das ist für mich ganz, ganz besonders schön. Das ist die pure Freude. Früher hätte ich das vielleicht anders empfunden.

Warum das?

Mareike Morr: Selbstzweifel gehören immer dazu, auch heute. Aber man entwickelt mit der Zeit ein Selbstverständnis. Man hat mehr Sicherheit.

Um in Ihrem Beruf glücklich zu sein, ist es entscheidend, dass man es genießen kann vor Publikum zu singen, oder?

Mareike Morr: Absolut. Ich habe ja erst Klavier gespielt und hatte viele Auftritte, zum Beispiel bei Wettbewerben. Erst während des Klavierstudiums bin ich zum Gesang gekommen. Und mein erster Auftritt als Sängerin, das war ein Riesenunterschied für mich. Ich wusste sofort: Das ist meins. Da war eine andere Begeisterung da. Diese unmittelbare Hinwendung zum Publikum, den ganzen Körper als Instrument nutzen, das ist das Schöne am Singen.

Sie singen den Solopart in der Tangomesse von Palmeri. Was ist das für Musik?

Mareike Morr: Im Grunde einfach Tango, in unterschiedlicher Form. Der lateinische Messtext bekommt dadurch eine intensive, leidenschaftliche, emotionale Farbe. Das ist sehr beeindruckend.

Welche Beziehung haben Sie zum Tango?

Mareike Morr: Meine Schwester ist begeisterte Tango-Sängerin und spielt Flöte in einem Tango-Ensemble. Ich selbst habe bei einem Opernball in Hannover zum ersten Mal einen Tango gesungen. Das hat mir unheimlichen Spaß gemacht. Als Eva Gerlach mich wegen der Tangomesse gefragt hat, habe ich sofort ja gesagt, obwohl ich das Werk nicht kannte. Zu Hause und Tango, das wollte ich einfach machen.

Bei den Aufführungen in Melsungen und Rotenburg wirken Chöre mit, die nicht aus Profis bestehen. Auch Jugendliche singen mit. Ist das für Sie anstrengend?

Mareike Morr: Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Da ist eine Begeisterung im Tun, die sich überträgt. Ich habe selbst als Mädchen eine zeitlang im Kirchenchor bei Eva Gerlach gesungen. Ich weiß, was so eine Aufführung für ein Höhepunkt ist.

Das eine oder andere Mädchen in der Jugendkantorei möchte vielleicht auch gern Sängerin werden, so wie Sie. Was würden Sie so einem Mädchen raten?

Mareike Morr: Wenn man so eine Begeisterung in sich spürt, ist es erst einmal wichtig festzustellen, ob das ein Feuer ist, das schnell wieder erlischt. Oder ob man wirklich ein Gesangsstudium anstrebt. Dann würde ich dem Mädchen raten, regelmäßig im Chor zu singen, auch Einzelstimmbildung ist sinnvoll. Und nebenbei Klavier spielen zu lernen.

Einfach ist der Weg aber sicher nicht.

Mareike Morr: Nein. Es ist ganz wichtig, realistisch zu sein, zu wissen: Reichen meine Fähigkeiten wirklich aus? Für das Gesangsstudium bewerben sich 80, acht werden genommen. Dann wird weiter ausgesiebt. Und am Ende erreichen nur wenige ihr Ziel, an einem Opernhaus zu singen.

Steht man da nicht ständig unter Leistungsdruck?

Mareike Morr: Natürlich gibt es Druck. Zum Beispiel bei Vorsingen, wenn man sich bewirbt. Es passiert auch mal, dass man schlecht vorsingt. Dann muss man damit umgehen können. Für mich ist es aber ganz klar so, dass die Freude überwiegt. Ich liebe es, an meine Grenzen zu gehen.

Wir haben vor zehn Jahren schon einmal miteinander gesprochen. Damals war der Hänsel in „Hänsel und Gretel“ von Humperdinck Ihre Traumrolle.

Mareike Morr: Den habe ich inzwischen gesungen, schon mehrmals.

Für Sie scheint irgendwie normal zu sein, dass sich Ihre Träume erfüllen.

Mareike Morr: Es kommt auch darauf an, wie realistisch man träumt (lacht). Ich träume nicht von einem Jetset-Leben als Star-Sängerin. Ich bin ein verwurzelter Mensch. Es macht mich glücklich, in einem festen Ensemble zu singen, mit vertrauten Kollegen.

Gibt es eine neue Traumrolle?

Mareike Morr: Ja, der Octavian im „Rosenkavalier“.

Wieder eine Hosenrolle?

Mareike Morr: Das ist so beim Mezzosopran. Wir bekommen die Hosenrollen oder aber die Mütter und die Ammen. Die Mütter und Ammen kann ich dann in zehn Jahren angehen (lacht).

Von Vera Walger

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