Bulgarisches Ensemble „Angelicus“ bot in Obersuhl fremdartige Kirchenmusik

Ein Fenster zum Himmel

Stimmgewaltig: das bulgarische Angelicus-Ensemble in der Obersuhler Kirche. Foto: Schmidt-Wecken/nh

Obersuhl. Der Gesang verbindet – auch wenn die einen bloß zuhören. In der Obersuhler Kirche waren es am Sonntag etwa zwei Dutzend, die lauschten und für die fünf Sänger viel Zustimmung übrig hatten. Vor fünf Jahren war das bulgarische Ensemble „Angelicus“ schon einmal hier. Nun öffnete es wieder ein Fenster zum Himmel, zugleich zu fremdartiger Kirchenmusik.

Die urkirchliche Ausbreitung des Christentums geschah ja in mindestens drei Strängen: einem orientalischen von Jerusalem aus, einem griechisch-osteuropäischen über Byzanz und einem westeuropäischen über Rom. Jede dieser Richtungen hat ihren eigenen Ritus, ihre eigene Liturgie und Musik. Die slawisch-orthodoxen Riten kennen im Gottesdienst nur den Gesang, nicht die Instrumentalmusik. So auch der bulgarisch-orthodoxe Ritus, der sich im 9. Jahrhundert herausbildete.

Stimmtradition und Schulung

Was da klanglich fremd anmutet, hat schließlich auch mit der Stimmtradition zu tun, der Stimmschulung, dem individuellen Stimmgepräge. Einem dunklen, herben, kehligen, das die Mitglieder des Angelicus-Ensembles in herrlicher Sonorität und Intensität vorführen: Svetlozar Galabov als Leiter, Vorsänger und deutschsprachiger Programmführer sowie Georgi Asenikov, Nayden Ivanov, Vasil Igov und Borislav Valokanov.

Immer wieder waren aus den mehrstimmigen Choralgesängen Rufe wie Alliluija, Amin oder Gospodi (= Herr) herauszuhören. Natürlich dominierten unter den 14 Beiträgen die Klage-, mehr noch die Loblieder, die Psalmen (Psalm 23 sogar auf Deutsch), die Engels- und Marienhymnen, etwa das prachtvolle „Bogorodice, devo raduisja“ („Gottesgebärerin, Jungfrau, freue dich“). Ein irischer Segensspruch entließ die Besucher aus der Geborgenheit dieser ebenso mystischen wie ökumenischen Klang- und Geisteswelt.

Von Siegfried Weyh

Quelle: HNA

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