Schluss mit Remmidemmi

Die Feldjäger-Ausbildungskompanie in der Alheimer-Kaserne ist Geschichte

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Einsame Flure: Früher traten beim morgendlichen Antreten bis zu 50 Rekruten auf den Gang. Schon im September wurde die Grundausbildung in der 6. Kompanie des Feldjägerbataillons 251 eingestellt. Nun ist die Kompanie aufgelöst.

Rotenburg. Die Feldjägerausbildungskompanie in der Alheimer-Kaserne ist Geschichte. Wir haben den Kompaniefeldwebel beim letzten Gang durch das Gebäude begleitet.

Thomas Otomann steht etwas verloren in seinem Büro. Auf dem Schreibtisch stehen nur noch der Computer und eine olivgrüne Tasche. Der Spieß der Feldjäger-Ausbildungskompanie zieht den Stecker, schaut sich noch einmal um, nimmt die Tasche und geht zum letzten Mal.

„Schon verrückt, wie ruhig das hier ist“, sagt Otomann. Im normalen Dienst klingelte das Telefon im Zwei-Minuten-Takt, und ständig hat jemand an die Tür geklopft. Nun herrscht Stille im Gebäude der 6. Kompanie des Feldjägerbataillons 251 - und Leere.

In den vergangenen Wochen hat Otomann mit den übrig gebliebenen Unteroffizieren das Haus mitten auf dem Gelände der Alheimer-Kaserne ausgeräumt. Zuletzt hat er mit Oberfeldwebel Roland Burdack den Tischkicker zur benachbarten Einsatzkompanie getragen.

Ein abschließender Gang durchs Gebäude. Ein Blick in jeden Duschraum, in jede Stube. Dort stehen nur noch ein paar Spinde, zerschlissene Holzstühle und Metallbetten. 30 bis 40 Jahre sind die Möbel alt. Als die Kompanie 2006 von Schwalmstadt in die Alheimer-Kaserne zog, sollte das nur ein Provisorium sein, erzählt Otomann. Das Gebäude sollte wie die gesamte Rotenburger Kaserne von Grund auf saniert werden. „So war es geplant, doch dann kam die Standortentscheidung.“

Die Kaserne soll geschlossen werden, aus der Sanierung wurde nichts, das verwohnte Provisorium blieb. Mancher Rekrut war von den Zuständen enttäuscht. „Aber es ist sauber, und ein bisschen Entbehrung in der Grundausbildung ist vielleicht ganz gut“, sagt Otomann.

Kompaniegebäude der Alheimer-Kaserne geschlossen

Kompaniegebäude der Alheimer-Kaserne geschlossen

Es hallt in den Gängen. Keine Plakate, keine schwarzen Bretter schlucken mehr den Schall. Wo die Bilder ehemaliger Kanzler und Präsidenten hingen, sind nur noch Nägel in der Wand. „Es ist ein Geisterhaus“, sagt Otomann, „dabei war hier früher Remmidemmi bis in die Nacht.“ Zu Hochzeiten traten morgens bis zu 50 Rekruten aus ihren Stuben auf den Gang.

Dort steht Otomann mit Markus Wohlberedt und Simone Hupfeld vom Bundeswehr-Objektmanagement. Beide haben schon Kasernen abgewickelt. Für sie gehört es mittlerweise zum Dienstgeschäft, aber es ist die traurige Seite. „Zur Gewohnheit wird das nie“, sagt Wohlberedt.

Otomann schließt die Eingangstür ab, die sonst offen stand. Mit der Schlüsselübergabe hat die Bundeswehr das erste Kompaniegebäude der Alheimer-Kaserne aufgegeben. „Das ist schon ein komisches Gefühl“, sagt der Stabsfeldwebel. Er selbst wird noch ein Jahr in der benachbarten 4. Kompanie Dienst tun. Mit 50 will er in den Vorruhestand gehen. Dann hat er endlich Zeit für die Familie, fürs Reisen und die Harley. „So ist es geplant“, sagt Otomann, nimmt die grüne Tasche und geht.

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Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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