Rehe in den Wohngebieten fressen Tulpen, Rosenknospen und Kräuter

Feinschmecker in Gärten

Rehe: Im Garten nicht immer willkommen. Foto:  Archiv

Hersfeld-Rotenburg. Viele Gartenbesitzer haben in diesen Tagen enttäuscht festgestellt, dass die Blumenpracht wohl nicht so üppig ausfallen wird: Tulpen- und Rosenknospen, Hornveilchen und Stiefmütterchen sind von Rehen abgefressen worden. Gibt es heute mehr Rehe als in früheren Jahren? Ziehen sie verstärkt durch die Hausgärten?

Die Zahl nehme leicht zu, heißt es vonseiten des Landratsamts. Durch den naturnahen Waldbau verbessere sich der Lebensraum des Wildes. Dass das Rehwild jedoch in diesem Jahr verstärkt in die Gärten komme, liege am langen kalten Winter und daran, dass es im Wald wenig Eicheln und Bucheckern gab. Normalerweise halten die Rehe Abstand, so die Auskunft aus der Kreisverwaltung.

Verzögerte Vegetation

Auch der zweite Vorsitzende der Hegegemeinschaft Alheim, der Jäger Stefan Heckeroth, nennt die verzögerte Vegetation als Grund dafür, dass die Rehe in die Siedlungen kommen, wo sie ein sehr gutes Nahrungsangebot vorfinden. So sei der Neustädter Friedhof kahlgefressen, selbst in der Brotgasse mitten in der Stadt Rotenburg habe man schon Rehe gesehen. Heckeroth erläutert, Rehe seien Kulturfolger, sie fühlten sich sicher in den Gärten.

Die Abschusszahlen stimmen

Heckeroth erklärt, dass man mit sechs Rehen pro 100 Hektar rechne und versuche, diese Zahl stabil zu halten. Die Abschusszahlen stimmten. Laut Landratsamt wurden 2012 im Kreis rund 4400 Rehe erlegt oder kamen bei Unfällen ums Leben, fünf Jahre zuvor waren es noch 3600 Tiere.

Hornspäne, Buttermilch, Menschenhaar, ungewaschene Schafwolle, Alustreifen oder Windspiele werden in verschiedenen Internetforen zur Abschreckung der Rehe empfohlen. Doch Gerüche, optische oder akustische Abschreckung helfen immer nur kurze Zeit, bis sich die Tiere daran gewöhnt hätten, sagt Heckeroth.

Die Tiere bilden im Winter sogenannte Sprünge, das heißt, sie tun sich zu mehreren zusammen. Im Frühjahr dann zerfallen diese Sprünge wieder, denn jedes Reh hat sein eigenes Territorium. Klee, Kräuter, Blumenknospen: Sie fressen nur das Beste vom Besten und hätten dadurch auch eine hervorragende Fleischqualität, erklärt der Jäger.

Die Hegegemeinschaft Alheim ist zuständig für den Gude- und den Haselgrund und die Fläche dazwischen, insgesamt rund 6800 Hektar.

Zaun ist sicher

Sicher schützt vor den Rehen nur ein hoher Zaun, sagt Hansjürgen Borneis von der Gartenakademie des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen in Kassel. Giersch fressen die Rehe noch lieber, sagt er, doch den will auch niemand im Garten haben. Wildvergrämungsmittel wie Blutmehl seien eine Möglichkeit.

Ebenso verhält es sich mit Buttermilch, doch „ein Wundermittel gibt es nicht“, sagt der Pflanzendoktor und tröstet, dass es sich mehr um ein Problem im Winter handele. HINTERGRUND

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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