Siegfried Katzenstein geehrt

Feier „10 Jahre jüdisches Museum“ mit 16 Nachfahren ehemaliger jüdischer Rotenburger

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Festakt: Es spielten die Streicher unter Leitung von Elke Suck-Iffland, rechts unten Heinrich Nuhn.

Rotenburg. Es geht darum, etwas ins Leben zurückzurufen, das beinahe in Vergessenheit geraten ist. Mit Ehrerbietung, Liebe und Respekt, wie Ittai Malbin beim Festakt im jüdischen Museum betonte.

Mit seiner Mutter Hanna und seinem Bruder Avital ist er aus Israel gekommen, um der Vorfahren aus der Katz-Familie zu gedenken und die Arbeit des Museumsförderkreises zu würdigen. Seine für alle jüdischen Gäste auf Englisch gehaltene Ansprache war ein bewegender Höhepunkt einer von vielen Menschen besuchten Festveranstaltung im Rathaus.

Malbin bezeichnete die Aufarbeitung der Vergangenheit und das Rotenburger Zusammenleben als Modell für die Welt und fasste seine Gedanken zusammen in einer Aufforderung von Albert Einstein: „Vom Gestern lernen, im Heute leben und auf das Morgen hoffen.“ 

Bürgermeister Christian Grunwald hatte Menschlichkeit und Toleranz in eindringlicher Weise als Werte bezeichnet, die gefragt und gefährdet seien „wie nie zuvor“. Angesichts dessen könne das Museum in der Mikwe nur als „lebendes Manifest“ für diese Werte angesehen werden. Es gelte, gegen Rechtspopulismus und Unmenschlichkeit aufzustehen. „Gerade weil wir damals versagt haben.“

Wachsende Fotosammlung

Förderkreisvorsitzender Dr. Heinrich Nuhn erinnerte an das Werden des maßgeblich von ihm initiierten und auf Begegnung ausgerichteten Museums. Die dortige Fotosammlung sei in zehn Jahren von 158 auf 260 Porträtfotos angewachsen: „Sie ist wie ein öffentliches Album und für viele Nachfahren die wichtigste Stelle des Hauses.“ Der 78-Jährige forderte dazu auf, aus dem Museum auch Nutzen für den Umgang mit heutigen religiösen Minderheiten zu ziehen: „Sie sind keine Fremdkörper, sondern Bereicherung.“

Überaus einfühlsam begrüßte Nuhn die aus Südafrika, den USA, Israel, Irland und Deutschland angereisten 16 Nachfahren ehemaliger jüdischer Rotenburger Mitbürger, deren Lebensgeschichte er anschaulich machte. Zu ihnen gehörte Kathrin Reiher, die Enkelin von Siegfried Katzenstein, dessen Bruder Moritz mit Albert Einstein befreundet war. In ihrer und ihres Ehemanns Anwesenheit wurde später ein Stolperstein für den Großvater gelegt.

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Quelle: HNA

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