Klaus Waldschmidt aus Beenhausen lebt mit einem Spenderherz

Von Herzen dankbar: Ein Spenderherz rettete Klaus Waldschmidt das Leben. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Klaus Waldschmidt (57) spielt wieder Posaune. Dabei hatte er noch vor einigen Jahren kaum genug Puste für einen gemütlichen Strandspaziergang. Dass er jetzt sogar wieder genug Atem für das anspruchsvolle Blasinstrument hat, verdankt Waldschmidt einem Organspender.

Dessen Tod schenkte ihm sein Leben. Bis dahin aber glich Waldschmidts Weg einer qualvollen Odyssee.

Er beginnt im Herbst 1995. Der damals gerade 40-Jährige baut das Gasthaus seiner Eltern in Beenhausen um. Er packt tüchtig an, doch er merkt, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmt. „Mein Puls lag manchmal bei unter 30 Schlägen“, erinnert sich Waldschmidt. Der Hausarzt schickt ihn ins HKZ. Dort stellt man fest, dass sich – vermutlich nach einer verschleppten Erkältung – ein Virus auf das Herz gelegt hat. Die Blutpumpe ist nachhaltig geschädigt.

Waldschmidt, der damals als Lagerleiter bei einem Autohändler in Rotenburg arbeitet, erhält einen Herzschrittmacher. Doch nach einiger Zeit bringt sein Herz wieder nur noch 17 Prozent Pumpleistung. Es folgen viele Arztbesuche, schmerzhafte Untersuchungen, Angst und Ungewissheit. Am HKZ wird ihm schließlich im Jahre 2004 ein Spezial-Defibrillator eingepflanzt: Sonden werden direkt ans Herz genäht, dazu müssen Rippen entfernt werden.

Doch auch dieses Gerät kann das Herz nicht dauerhaft entlasten. Seine Beine sind durch Wassereinlagerungen dick, schließlich fallen die Nieren aus. Prof. Dr. Christian Vallbracht vom HKZ, eröffnet ihm: „Sie brauchen ein neues Herz – und zwar bald. In der Uni-Klinik Frankfurt durchläuft Waldschmidt erneut eine Vielzahl von Untersuchungen, um auf die Liste für eine Organspende zu kommen. „Ich hatte ja gar keine andere Wahl, wer will schon mit 48 sterben.“ Doch Spenderorgane sind knapp. Vier Monate verbringt Waldschmidt auf der Intensivstation mit immer neuen Zimmernachbarn. Er sieht Menschen neben sich sterben. Aber er gibt nicht auf. Die Kraft dazu gibt ihm sein tiefer Glaube. „Ich habe gebetet und gehofft, dass mich mein Gott nicht sterben lässt.“

Seine Gebete werden erhört, ein passendes Spenderherz gefunden. Es ist buchstäblich Glück im Unglück: Der Spender ist noch ein relativ junger Mann – Waldschmidt erfährt später, dass er mit nur 33 Jahren starb. Und er hatte einen Spenderausweis. Das ist heute längst nicht selbstverständlich.

Noch in der Nacht wird Waldschmidt operiert. Am folgenden Nachmittag wacht er aus der Narkose auf. Sein ganzer Brustkorb scheint zu vibrieren. „Mein neues Herz schlug so kraftvoll, neues Leben ist durch meinen Körper pulsiert, es war ein Gefühl, als wäre ich neu geboren.“

Sieben Jahre sind seit der Wiedergeburt vergangen. „Ich führe ein ganz normales Leben“, sagt Waldschmidt. Natürlich muss er regelmäßig Medikamente nehmen, um ein Abstoßen des Organs zu verhindern. Aber er kann wieder Posaune spielen. „Das habe ich meinem Herrgott versprochen, um ihm für seinen Beistand zu danken.“

Und vielleicht hört ja auch der unbekannte Organ-Spender den Posaunenklang im Himmel.

Von Kai A. Struthoff

Quelle: HNA

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