Fassungslosigkeit nach dem Grubenunglück

Fassungslosigkeit nach dem Grubenunglück: „Alle im Ort sind bedrückt“

Unterbreizbach. An der Einfahrt zur Kali-Grube flackern Kerzen, Menschen ringen um Worte. Überall in Unterbreizbach an der hessisch-thüringischen Landesgrenze herrscht am Mittwoch Fassungslosigkeit nach dem schweren Grubenunglück, bei dem drei Menschen ums Leben gekommen sind.

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Wer sind die drei getöteten Bergleute? Das ist einen Tag nach dem Unglück eine der bestimmenden Fragen in dem 3500-Seelen-Ort. „In dem Werk arbeiten viele aus dem Ort, andere kommen aus der weiteren Umgebung“, erzählt Thomas Klemm. Der Journalist, der in dem kleinen Dorf nahe der Grenze zu Hessen wohnt, ist am Dienstag wenige Stunden nach der Explosion von der Arbeit nach Hause gekommen und hat im Gespräch mit Nachbarn mitbekommen, wie erschüttert die Menschen sind.

„Die Leute sind bedrückt“, schildert Klemm die Stimmung. Jeder im Ort wisse, dass es zu Gasausbrüchen kommen könnte. „Aber wenn es dann so passiert, ist man doch schockiert.“ Dass bei dem Unglück gleich drei Leute gestorben sind, sei „ganz schön herb“.

Thomas Klemm

Das Thema Gasaustritt an sich ist in Unterbreizbach nichts Neues. „Damit muss man sich auseinandersetzen, wenn man hier lebt“, sagt Klemm. Zwar bekomme man im Alltag nichts vom Abbau mit, da zwar der Schacht in Unterbreizbach liege, die Gewinnung aber nicht direkt unter dem Ort geschehe. „Das Thema ist aber trotzdem präsent.“ Seine Frau, die gebürtig aus Unterbreizbach stammt, habe erzählt, dass früher öfter Gas aus dem Schacht ausgetreten sei, sagt Klemm. Dann seien die Menschen gebeten worden, auf den Berg zu gehen. Aber das sei lange vorbei. Trotzdem, das wissen die Menschen im Dorf: Ein Gasausbruch kann immer wieder passieren.

So wie am Dienstag. Als bei einer Routinesprengung in großer Menge Kohlendioxid explosionsartig freigesetzt wurde und es zu einer gewaltigen Druckwelle kam. Als die drei Bergleute im Alter von 24, 50 und 56 Jahren ihr Leben verloren. "Das beschäftigt die Menschen", erzählt Klemm.

So wie auch die Wolke, die nach der Explosion aus dem Schacht aufgestieg sei. Sie ist in einer Amateuraufnahme zu sehen, die am späten Dienstagnachmittag gemacht wurde. „Die Leute fragen sich nun, was mit den Häusern und Autos passiert, die eingepudert wurden“, sagt Klemm.

Grubenunglück in Unterbreizbach

Von Marie Klement

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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