Armenischer Geschäftsmann in Bad Hersfeld festgenommen

Verwechslung: Geschäftsmann muss erst in die Zelle, dann ins Krankenhaus

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Ein Häufchen Elend nach einer Nacht in Polizeigewahrsam: Der armenische Geschäftsmann Karen Khachataryan mit seinem Anwalt Artak Gasper.

Bad Hersfeld. Karen Khachtaryan ist ein Bär von einem Mann. Doch das Bild, das der Geschäftsmann aus Erewan am Donnerstag in der Notaufnahme des Klinikums Bad Hersfeld abgibt, ist das eines Häufchen Elends: blass liegt er in seinem Bett, er redet schleppend und erhält Infusionen.

Der Verdacht auf einen Herzinfarkt hat sich nach mehreren Untersuchungen glücklicherweise nicht bestätigt.

Was den 50-jährigen Armenier so aus der Bahn geworfen hat, berichtet sein Anwalt Artak Gasper: Am Mittwochvormittag wurde Khachataryan in der Filiale der VR-Bank am Marktplatz, wo er seine Kontoauszüge holen wollte, von einer Streife der Hersfelder Polizei festgenommen und in Handschellen abgeführt, weil gegen ihn angeblich ein Abschiebehaftbefehl vorlag. Laut Gasper ein Missverständnis, denn der Armenier hat einen Namensvetter, der von der Polizei gesucht wird.

Den Glauben verloren 

Obwohl die Ausländerbehörde bis zum Nachmittag die doppelte Personalie bestätigt und nach einer weiteren Verwechslung mit zunächst identischen Fotos auch zwei unterschiedliche Aufnahmen übermittelt hat, bleibt Khachataryan in Polizeigewahrsam und muss die folgende Nacht in der kalten Zelle des Direktionsgebäudes in der Kleinen Industriestraße verbringen.

Dort verliert der Armenier, der in der Nacht zum Mittwoch wie schon viele Male zuvor unbeanstandet aus seiner Heimat über den Frankfurter Flughafen in die Bundesrepublik eingereist ist, den Glauben an den Rechtsstaat: Ihm werden seine Schuhe - senkellose Mokassins - abgenommen, statt des verlangten Wassers bekommt er nur Orangensaft - gegen den er allergisch ist - zu trinken, aber der geforderte Arzt wird nicht geholt. Sein Geld - mehrere tausend Euro in bar - hat man ihm schon vorher abgenommen, seine Konten sind gesperrt.

Dabei war Khachataryan, dessen Verwandte im Bad Hersfelder Kurviertel leben, mit den besten Absichten gekommen: Neben anderen Immobilien im Stadtgebiet hat er das „Haus Kniese“ erworben, um es zum Gästehaus von Patienten und Angehörige örtlicher Kliniken umzubauen.

Obwohl der angeblich unabdingbare Abgleich der Fingerabdrücke auch bis zum Donnerstagvormittag noch nicht vorliegt, wird der Armenier schließlich wieder freigelassen. Zitternd sucht er seinen Anwalt auf, der ihn sofort ins Krankenhaus bringt.

Manfred Knoch, Pressesprecher der Polizei in Bad Hersfeld, sicherte auf Anfrage unserer Zeitung zu, den Fall intern zu überprüfen. Wegen der Wechselschichten im Polizeidienst werde dies jedoch einige Zeit dauern.

Weil im Hintergrund wegen früherer Bankgeschäfte auch der Anfangsverdacht der Geldwäsche bestand, wurde die Fuldaer Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Oberstaatsanwalt Lars Streiberger teilte jedoch mit, dass ein dringender Tatverdacht nicht bestehe, weil die Angaben Khachataryans nicht zu widerlegen seien.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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