Wundersame Aufklärung einer angeblichen Brandstiftung hatte vor Gericht keinen Bestand

Fall der Merkwürdigkeiten

Bad Hersfeld. Mit einem Verfahren der Merkwürdigkeiten hatte es gestern das Bad Hersfelder Jugendschöffengericht zu tun. Und weil der Fall einer angeblichen Brandstiftung an einem Holzschuppen in der Wehneberger Straße in Bad Hersfeld bis zum Ende höchst rätselhaft blieb, stand am Ende des Prozesses gegen einen 28 Jahre alten Angeklagten aus Philippsthal denn auch ein Freispruch.

Gebrannt hatte es in einer Januarnacht vor neun Jahren. Den in Abteile aufgeteilten Holzverschlag hatten die Bewohner mehrerer Mehrfamilienhäuser zum Unterstellen von Mofas oder Fahrrädern genutzt, aber auch für Mülltonnen.

Wie das Feuer entstanden war, blieb zunächst ungeklärt. Die Kripo fand keine Hinweise, eventuelle Spuren waren durch den Löschschaum der Feuerwehr vernichtet worden.

Als allerdings vor drei Jahren in anderer Sache gegen einen Kumpel des Philippsthalers wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung ermittelt wurde, berichtete dieser der Polizei, der Freund habe ihm am Telefon erzählt, im Januar 2003 einen Schuppen in Bad Hersfeld mit einem Molotow-Cocktail angesteckt zu haben.

Racheakt wegen Streit

Hintergrund der Tat soll eine Racheakt gewesen sein, weil der angebliche Brandstifter, der eine Zeit davor ein paar Monate lang in dem Wohnblock gelebt hatte, mit mehreren Nachbarn in Streit geraten war.

Kurz vor der Verjährung schien der Schuppenbrand also aufgeklärt, und Staatsanwalt Werner Stock fertigte eine Anklage. Weil der Philippsthaler zur Tatzeit erst gut 19 Jahre alt und damit rechtlich ein Heranwachsender war, musste der Fall vor dem Jugendschöffengericht verhandelt werden.

Dort stritt der Angeklagte rundweg alle Vorwürfe ab. Weder habe er das Feuer gelegt, noch gegenüber dem Kumpel ein derartiges Geständnis abgelegt.

Der 30-Jährige, der heute in unmittelbaer Nachbarschaft des Philippsthalers lebt, wartete in seiner Aussage allerdings mit etlichen Details auf, die entweder für besagtes Telefonat oder für Täterwissen sprachen. Nur: Hinweise auf einen Molotowcocktail hatte die Polizei ja nicht gefunden. Vielmehr wurde festgestellt, dass in den Mülltonnen im Schuppen auch die Asche aus den Kohleöfen des Wohnblocks entsorgt wurde.

Nicht nachweisbar

Weil Tat und Täterschaft so nicht nachzuweisen waren, musste der Angeklagte freigesprochen werden. Das hatten Staatsanwalt Stock und Verteidiger Jochen Kreissl so beantragt. Am wahrscheinlichsten schien es den Prozessbeteiligten im Nachhinein, dass sich der Philippsthaler gegenüber dem Freund mit einer nicht begangenen Tat dicke getan hatte – wohl nicht zum ersten Mal.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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