Familie aus dem Ruhrgebiet macht seit 50 Jahren jedes Jahr Urlaub in Nentershausen

Sie fahren nach Lehmann

Die Familie Widlak aus Gelsenkirchen fühlt sich in Nentershausen pudelwohl: Unser Bild zeigt Hans und Brunhilde Widlak vorn auf Stühlen sitzend. Sie hat einen Blumenstrauß geschenkt bekommen zum 50. Jubiläum. Dahinter stehen ihre langjährigen Gastgeber Horst und Hildegard Lehmann, drumherum Mitglieder der beiden Familien. Im Hintergrund ist die Pension zu sehen. Foto: Meyer

Nentershausen. Vor einem halben Jahrhundert hatten Hans und Brunhilde Widlak aus Gelsenkirchen-Buer noch keine Ahnung, wo Nentershausen liegt – heute ist es ihr zweites Zuhause, aber nicht nur ihres: Tochter, Schwiegersohn, Enkelkinder sitzen in diesen Tagen mit am Tisch in der Pension Lehmann. Für sie alle, eine ganze nordrheinwestfälische Großfamilie mit Freunden und Partnern, ist das beschauliche Nentershausen eine zweite Heimat geworden.

Der „Bund der Kinderreichen“ bot der damals fünfköpfigen Familie Widlak 1964 an, Urlaub in der Pension Lehmann in Nentershausen zu verbringen. Was mit einem verhaltenen „Probieren wir mal“ begann, entwickelte sich zu einer innigen Beziehung – zu Nentershausen, seinen Wanderwegen und nicht zuletzt den Gastgebern Hildegard und Horst Lehmann und deren Familie. In den zurückliegenden 50 Jahren waren die Widlaks in jedem Jahr mindestens einmal in Nentershausen zu Gast.

Die Widlaks erkundeten bei Obersuhl die deutsch-deutsche Grenze, gingen wandern im Wald. Ausschlaggebend für die Begeisterung aber war, was die Kinder in Nentershausen geboten bekamen. Da waren nicht nur Fahrten auf dem Trecker, da waren nicht nur der Heuboden, Pferde und Schweine, da waren auch Spielkameraden. Denn für jedes Widlak-Kind gab es eins von den Lehmanns im passenden Alter. Die Widlak-Kinder, bald zu viert, wollten in den Ferien nur noch „nach Lehmann“.

Feten unterm Kirschbaum

Die Pension, berichtet Hildegard Lehmann, sei damals die erste im Kreis gewesen, die für sich mit dem Spruch „Ferien auf dem Bauernhof“ warb. Die langjährigen Gäste erinnern sich an lange Abende mit den Gastgebern, an „tolle Feten“ unter dem Kirschbaum, an Besuche in diversen Kneipen und an ein attraktives Freibad, an Mahlzeiten, die so köstlich waren, dass Hildegard Lehmann in die Küche eilen und nachkochen musste, an so gut ausgeschilderte Naturlehrpfade, dass Kinder nicht verloren gehen konnten.

Die Kinder sind inzwischen erwachsen und bringen ihre Familien und Freunde in den Ferien mit nach Nentershausen, so wie Tochter Stefanie, die mit ihrer sechsköpfigen Familie am Tisch sitzt. Viele übernachten dann im Feriendorf, das Lehmanns Sohn Dieter heute führt.

Für die nordrheinwestfälischen Gäste hat sich an ihrem Urlaubsort wenig verändert. Dass es weniger Landwirtschaft gibt, stellen sie fest, Kneipen haben geschlossen.

Immer ein Zimmer frei

Hans und Brunhilde sind inzwischen 84 und 83 Jahre alt, ihre Gastgeber Horst und Hildegard Lehmann 81 und 77. Den Pensionsbetrieb haben sie zurückgefahren – aber für Familie Widlak ist immer ein Zimmer frei.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

Kommentare