Seitengasse des Marktplatzes

Fachwerkhaus an der Weingasse musste fallen

Rotenburg. In der Häuserzeile der Rotenburger Weingasse, einer Seitengasse des Marktplatzes, klafft eine Lücke: Das baufällige und schon lange Zeit leer stehende Haus mit der Nummer 15 wurde in den vergangenen Tagen abgerissen.

Dass ein innenstädtisches Gebäude entfernt wird, geschieht selten, erklärt Roland Schwarz, zuständig für Denkmalpflege auf dem Bauamt der Stadt Rotenburg. Denn das Ensemble der Häuser steht unter Denkmalschutz.

In den 1980er-Jahren wurde jedes Gebäude für eine sogenannte Denkmaltopographie erfasst. Das hessische Denkmalschutzgesetz schützt die Gebäude innerhalb der Stadtmauer, an der alten Fuldabrücke und in der Neustadt rund um den Steinweg bis hin zum Bahnhof, aber auch Gebäude in den Stadtteilen.

Dass es eingehalten wird, darüber wacht unter anderem die untere Denkmalschutzbehörde in Bad Hersfeld. Mit ihr müssen sich Investoren, Bauherren und Hausbesitzer absprechen, die umbauen, sanieren oder neu bauen wollen. Regeln gilt es da einzuhalten, die sich von Haus zu Haus unterscheiden können, erklärt Ronald Schwarz. Jedes Gebäude ist in seinen Eigenheiten erfasst, und manche Häuser genießen als einzelne Kulturdenkmäler besonderen Schutz, auch was ihr Innenleben betrifft. Ob beispielsweise das Fachwerk bei der Sanierung sichtbar erhalten bleiben muss, hängt davon ab, ob es beim ursprünglichen Bau des Hauses schon sichtbar war oder als sogenanntes konstruktives Fachwerk nicht.

Generell gilt: Verzierungen wie Zopfbänder, der typische Eierstab oder Schreckköpfe müssen erhalten bleiben. Die Sechsgliedrigkeit der Fenster in alten Häusern war der Tatsache geschuldet, dass kleine Scheiben günstiger waren. Heute gehört sie zum Gesamtbild des Ensembles, das bewahrt werden soll.

Wer in den geschützten Bereichen neu baut, soll eine Dachneigung von mndestens 45 Grad einhalten, Ziegel sollen rot oder rotbraun sein. Gauben oder Zwechhäuser sollen sich so ins Dach einbetten, dass sie den Charakter des Ensembles nicht zerstören. Trotz der recht strengen Regelungen empfiehlt Schwarz „keine Sorge vor den Gesetzen“.

Die Stadt biete Rat und Hilfestellung, und Investitionskosten seien oft steuerlich absetzbar. Das Haus Weingasse 15, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gebaut, war nicht mehr zu retten. Innen verfallen, von außen durch Balken gestützt, gab die Denkmalschutzbehörde die Genehmigung, es abreißen zu lassen.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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