Restmüllbehälter für Medikamente

Extratonne soll Geld sparen

Medikamente gehören in den Hausmüll: MZV-Geschäftsführer Bernhard Skolik (links) und der stellvertretende MZV-Vorsitzende Hartmut Grünewald. Foto: Janz

Bebra. Mehr Service muss nicht unbedingt teurer sein, sondern kann sogar Geld sparen. Das will der Müllabhol-Zweckverband Rotenburg mit einer neuen Tonne beweisen, die der normale Bürger kaum zu Gesicht bekommen wird. Sie wird bei den Apotheken stehen und ausschließlich alte Medikamente aufnehmen.

Dabei handelt es sich um eine normale Restmülltonne, sagt der Geschäftsführer des in Bebra beheimateten MZV, Bernhard Skolik. Denn seit 2005 darf alte Arznei regulär im Hausmüll entsorgt werden (Hintergrund). Trotzdem landen abgelaufene Tabletten, Salben und Säfte oft im Sondermüll.

Teurer Sondermüll

Genau da setzt die Idee des MZV an, der für die Umsetzung in Rotenburg, Bebra und Ronshausen die Zustimmung des Abfallwirtschafts-Zweckverbands Hersfeld-Rotenburg (AZV) hat. Denn die Entsorgung einer Tonne alter Medikamente hat 2012 bei der Hessischen Industriemüll (HIM) 273 Euro gekostet. Noch teurer ist die Annahme des Mülls beim Schadstoffmobil, die im Vorjahr mit 630 Euro pro Tonne zu Buche geschlagen hat.

Dieses Jahr sei das zwar etwas günstiger, doch die Abholung (63 Euro) und Entsorgung (84 Euro) von einer Tonne Restmüll sei um ein Vielfaches günstiger, rechnet der stellvertretende MZV-Vorsitzende Hartmut Grünewald vor. Der MZV könne jährlich über 1100 Euro sparen, wenn die 1,5 Tonnen Medikamente, die in seinem Gebiet gesammelt werden, als Hausmüll entsorgt werden.

Das scheine nicht viel zu sein, aber auch das trage dazu bei, die Müllgebühren stabil zu halten, sagt Skolik: „Da können wir Geld sparen für den Bürger.“ Skolik hat schon weitere Möglichkeiten im Blick, um auf ähnliche Weise Geld zu sparen. Denn das Gleiche gelte für Spraydosen und Dispersionsfarben, die das Schadstoffmobil ebenfalls annimmt. Dabei wären auch sie im Hausmüll gut aufgehoben. Künftig werde ein MZV-Mitarbeiter das Schadstoffmobil begleiten, um zunächst die Medikamente einzusammeln.

Die meisten Apotheken im MZV-Gebiet hätten ihre Teilnahme signalisiert, sagt Skolik. Sie seien bereit, die zusätzliche Restmülltonne zu bezahlen, um ihren Beitrag zu leisten. Im Grunde müssten die Pharmakonzerne ihre abgelaufenen Produkte zurücknehmen, sagt Skolik. Doch während für Elektroschrott spezielle Regelungen getroffen wurden, habe Deutschland die EU-Richtlinie von 2004 für Medikamente noch nicht umgesetzt. So werde eben der MZV Geld sparen und dabei noch seinen Service verbessern.

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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