Exklusiv-Interview mit Bundespräsident Gauck: Lob für die Festspiele

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Bundespräsident Joachim Gauck

Bad Hersfeld. Vor dem mit Spannung erwarteten Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck und seinem österreichischen Amtskollegen Heinz Fischer äußert sich Bundespräsident Gauck exklusiv in der HNA. Das Interview führte Kai A. Struthoff.

Herr Bundespräsident, wir freuen uns sehr, dass Sie mit Ihrem Amtskollegen nach Bad Hersfeld kommen. Warum haben Sie sich gerade für einen Besuch bei unseren Festspielen entschieden? 

Bundespräsident Joachim Gauck: Der Besuch von Bundespräsident Heinz Fischer und seiner Frau ist der Gegenbesuch zu meinem Besuch in Salzburg im vergangenen Sommer. Bundespräsident Fischer hatte Daniela Schadt und mich zu den Salzburger Festspielen eingeladen. Und da gilt es natürlich, auch von deutscher Seite mit renommierten und überregional bedeutenden Festspielen aufzuwarten. Deshalb ist meine Wahl auf die Bad Hersfelder Festspiele gefallen. Für Bad Hersfeld habe ich mich auch entschieden, weil ich die Festspiele selbst einmal erleben möchte nicht zuletzt wegen ihrer so besonders stimmungsvollen Spielstätte, der Stiftsruine.

Während der Zeit der deutsch-deutschen Teilung galten die Bad Hersfelder Festspiele als ein Leuchtturm der Freiheit und Demokratie im unmittelbaren Zonengrenzgebiet. Droht unseren Festspielen nach dem Fall der Mauer zunehmende Bedeutungslosigkeit oder sind Freiheit und Demokratie immer noch die richtige Botschaft aus einer Stadt im neuen Herzen Europas? 

Gauck: Freiheit und Demokratie waren, sind und bleiben die richtigen Botschaften. Sie passen weiterhin zu dieser Stadt und zu unserem Land im gemeinsamen Haus Europa. Aber um Freiheit und Demokratie muss immer neu gerungen werden. Sie sind keine Selbstläufer. Auch hier in Deutschland nicht. Es ist wichtig, dass wir alle uns, den Wert von Freiheit und Demokratie immer wieder vor Augen zu führen. Dazu können Kulturschaffende das Ihre beitragen.

In Zeiten knapper kommunaler Kassen sind anspruchsvolle Festspiele immer auch ein Kraftakt - gerade im ländlichen Raum. Ist Theater da nur schöner Zuckerguss oder ein notwendiges geistiges Grundnahrungsmittel? 

Gauck: In Deutschland gibt es keine kulturelle Provinz. Das machen auch die zahlreichen und vielfältigen Sommerfestspiele der Musik und des Theaters deutlich, die wir nahezu überall in unserem Land finden. All diese Festspiele zeigen, dass sich viele Menschen kulturelle - durchaus auch anspruchsvolle - Angebote wünschen. Und ja, sie sind geistige Nahrungsmittel, weil bleiben wir in der Welt des Theaters - manches Drama die immerwährenden Fragen des Lebens aufgreift und so zur kritischen Auseinandersetzung mit uns selbst und mit der Gesellschaft auffordert.

Von Kai A. Struthoff

Quelle: HNA

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