Wenn Eltern überfordert sind: Etwa 40 Kinder pro Jahr brauchen Schutz

Hersfeld-Rotenburg. Fast 3700 Kinder und Jugendliche in Hessen mussten 2013 vom Jugendamt aus ihrer Familie, einer Pflegefamilie oder einem Heim herausgenommen werden, weil ihr Wohlergehen dort gefährdet war. Das waren 23 Prozent mehr als 2012.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind die Zahlen sogenannter Inobhutnahmen laut Sozialdezernentin Elke Künholz seit Jahren relativ konstant.

„Wir verzeichnen jedes Jahr um die 40 Fälle“, berichtet Künholz. Während die Zunahme auf Landesebene vor allem auf die Einreise von unbegleiteten Jugendlichen bis 16 Jahre aus dem Ausland zurückzuführen ist, sind solche Fälle im Kreis äußerst selten.

2013 zählte das Jugendamt des Kreises 42 Inobhutnahmen, davon betroffen waren 27 Mädchen und 15 Jungen. 26 wurden in Einrichtungen untergebracht, 16 in Pflegefamilien. 2012 wurden 24 Mädchen und 16 Jungen in Obhut genommen, von denen 14 in Pflegefamilien und 26 in Einrichtungen untergebracht wurden.

In den meisten Fällen seien Überforderung der Eltern oder Vernachlässigung Gründe für das Einschreiten des Amtes. Ein Kind aus der Familie zu nehmen, sei immer die letzte Möglichkeit, sagt die Leiterin des Jugendamts, Anette Kranz. Dabei gelte das Prinzip: So lange wie nötig, so kurz wie möglich. Der größte Teil der Inobhutnahmen sei in weniger als 30 Tagen „erledigt“.

140 bis 160 Meldungen über mögliche Gefährdungen von Minderjährigen erreichen das Jugendamt jedes Jahr, sagt Kranz, wobei die Spanne von ernst zu nehmenden, akuten Hinweisen bis zu Trennungs- oder Nachbarschaftsstreitigkeiten reiche. Alle Meldungen werden nach dem Vier-Augen-Prinzip überprüft. „Wir sind froh, wenn jemand Verantwortung übernimmt. Lieber ein Anruf zu viel, als die Augen zu verschließen“, so Kranz.

Für die familienersetzenden Hilfen sind im Kreis-Haushalt 2014 fast sechs Millionen Euro veranschlagt.

Von Nadine Maaz

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Kommentare