Das Leben entschleunigen

Zu Fuß mit Eseln von Italien nach Schweden: Ehepaar machte im Landkreis Halt

+
Unterwegs von Italien nach Schweden: Helena Kågemark aus Schweden und Carlo Magnani aus Italien touren mit ihren Eseln Toni und Aurora Alba seit März durch Europa. Am Dienstag machten sie in Rotenburg auf dem Marktplatz Halt.

Hersfeld-Rotenburg. Einfach mal aus dem Alltag ausbrechen: Das war die Idee des Ehepaars Kågemark-Magnani. Also packten sie ihre Esel und marschierten los.

Von Italien nach Schweden - mit einem Zwischenstopp im Kreis.

Wie Maria und Josef: So kommen einem Helena Kågemark (45) und ihr Ehemann Carlo Magnani (47) ein bisschen vor, als sie am Montag auf dem Marktplatz vor der Kirche in Rotenburg stehen. Das Paar hat zwei Esel dabei, die Schlafsäcke, gefaltete Zelte und Campinggeschirr auf dem Rücken tragen. Alle vier haben bereits eine ordentliche Strecke hinter sich gebracht - etwa 1000 Kilometer vom italienischen Albiano Magra bis nach Rotenburg.

Damit ist es aber noch lange nicht getan. Weitere 1400 Kilometer folgen bis Oktober, denn das Ziel der Wandergesellen ist das schwedische Göteborg. Dort lebt das Ehepaar - Kågemark ist Schwedin und Magnani ist Italiener - in den Herbst- und Wintermonaten. Den Frühling und Sommer verbringen sie in Italien.

Die Reise des Mulit-Kulti- Paars hat aber nur im entferntesten Sinne etwas Biblisches. Normalerweise fliegen sie die Strecke von Schweden nach Italien und umgekehrt, doch das wollten sie dieses Jahr nicht mehr - und die Reise mit der Bahn war zu teuer. Also packten sie ihre Taschen, nahmen die beiden Esel an die Zügel und marschierten los - immer im gelassenen Takt der beiden Tiere.

Das Leben entschleunigen

Und diese Gelassenheit der Esel ist es auch, was dem Paar an der Reise so viel Spaß macht. Kågemark und Magnani sehen die Wanderung als eine Flucht vor dem ständigen Zeitdruck, dem mittlerweile ein jeder ausgesetzt ist - ob im Privaten oder bei der Arbeit. Das Paar wollte sich dem nicht mehr aussetzen, wollte das eigene Leben entschleunigen und begab sich daher auf das Wagnis. Und das ist es auch, denn es ist nichts im Vorfeld geplant. Nur die Marschroute ist bekannt. Wenn es also dunkel wird, bitten Kågemark und Magnani Fremde um Unterkunft, oder schlafen, wenn nötig, neben ihren tierischen Gefährten im Stroh.

Die tierischen Gefährten von Helena Kågemark und Carlo Magnani sorgten für einiges Entzücken: So auch in Rotenburg auf dem Marktplatz. Dort holte die achtjährige Leonie sofort einige Karotten und verfüttere sie an die Tiere.

Zuletzt wurden sie am Breitenbacher Mischelshof von der Familie Ritter willkommen geheißen, wo Aurora Alba und Toni eine eigene Box und Heu bekamen und das Ehepaar eine Einladung zum Essen. „Das Wichtigste ist, dass es unseren Eseln gut geht, sie genug zu fressen und einen Unterstand bei Regen haben“, erklärt die 45-Jährige. Für sich selbst hätten sie keine Ansprüche. Sie und Magnani sprechen nur Englisch, Italienisch und Schwedisch. Und doch funktioniert die Verständigung in Deutschland blendend. „Die Menschen hier sind freundlich und hilfsbereit“, berichtet Magnani von seinen Erfahrungen der letzten Tage - sowohl in Rotenburg als auch in Bad Hersfeld.

In der Kreisstadt haben sie sogar eine neue Freundin gefunden: Dort nahm Katharina Schimmelpfeng die Reisenden auf, gab den Eseln eine Koppel und dem Paar ein Bett. Man verstand sich so gut, dass Schimmelpfeng den Marsch bis nach Breitenbach mitmachte.

Kågemark und Magnani wollen aber nicht nur ihr Leben entschleunigen, sie wollen auch etwas Dauerhaftes gestalten. An jeder Schlafstätte wird daher ein Setzling gepflanzt, mit der Bitte an die Bevölkerung, sich um den kleinen Baum zu kümmern.

Wer mehr über die beiden Reisenden und ihre Ziele erfahren möchte, findet Infos auf www.unattimostoarrivando.blogspot.de.

Quelle: HNA

Mehr zum Thema

Kommentare