Rotenburger Erzieherinnen lassen sich zu Elternberaterinnen ausbilden

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Erzieherinnen, die auch Eltern helfen wollen: von links Annika Trepper, Margot Kanngiesser, hinten Christiane Seil und Petra Rang.

Rotenburg. Vier Erzieherinnen der städtischen Kindertagesstätten in Rotenburg wollen künftig Eltern noch mehr zur Seite stehen bei allen Fragen, die im Zusammenleben mit Kindern auftreten. Ihre Zusatzausbildung zu Elternberaterinnen steht kurz vor dem Abschluss.

Petra Rang (Kita Dreikäsehoch, Egerländer Straße), Margot Kanngiesser (Abenteuerland, Lispenhausen), Christiane Seil und Annika Trepper (Braach) haben die vom Bundesfamilienministerium finanzierten entsprechenden Kurse bereits besucht und ihre Abschlussarbeit verfasst. Die offizielle Prüfung steht Ende des Monats bevor. Birgit Bathe-Manns, Leiterin der Awo-Kindertagesstätte Villa Sonnenschein, hat die Zusatzausbildung bereits im Sommer absolviert und steht Eltern ebenfalls als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

„Wir wollen damit Eltern ein niedrigschwelliges Angebot machen. Jede von uns steht für Gespräche zur Verfügung“, sagt Petra Rang. „Das gilt übrigens für alle Eltern, nicht nur für die, deren Kinder eine städtische Einrichtung besuchen.“ Eltern könnten auch Ansprechpartnerinnen aus anderen Kindertagesstätten aufsuchen als ihr Kind besucht – falls sie ein wenig Distanz vorzögen.

Es gehe dabei nicht um Therapien, auch nicht um klassische Erziehungsberatung, erklärt Margot Kanngiesser: „Wir sind für Eltern da, die einfach mal ein Ohr für ihre Sorgen und Nöte brauchen.“ Kleine, alltägliche Probleme können angesprochen werden, bei größeren können die Erzieherinnen Kontakte herstellen zu speziellen Einrichtungen oder Ansprechpartnern.

Warum brauchen Eltern überhaupt Hilfe im Umgang mit ihren Kindern? Die Erzieherinnen spüren eine große Verunsicherung bei den Eltern. Die Gründe dafür seien vielfältig. Eine Überfrachtung mit Informationen durch Internet, Eltern-Kind-Kurse und Bücher spiele ganz sicher eine Rolle. „Eltern verlassen sich häufig nicht mehr auf ihren Bauch und ihr Herz. Sie vergleichen ihr Kind ständig mit anderen“, haben die Erzieherinnen beobachtet.

Außerdem seien Eltern heute viel mehr auf sich allein gestellt, seit es die klassische Großfamilie mit mehreren Generationen im Haus nicht mehr gebe. Die hatte durchaus einen ausgleichenden Einfluss auf die Entwicklung der Kinder. Die Berufstätigkeit beider Eltern oder eben der alleinerziehenden Mutter habe ebenfalls einen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder.

Probleme träten auch dadurch auf, dass manche Eltern vermeiden, Grenzen zu setzen, Nein zu sagen und diese Haltung auch konsequent durchzuziehen. Auch beim Umgang mit daraus entstehenden Konflikten können die Elternberaterinnen Hilfe geben.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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