Die ersten Orchideen sind da: Renaturierung am Eschkopf zeigt Erfolg

Eine von vier Orchideenarten: Dreizähniges Knabenkraut

Rockensüß. Man muss es den Experten wirklich lassen: Dass, was sie am Eschkopf bei Rockensüß geleistet haben, verdient Respekt. Denn schon nach eineinhalb Jahren blühen die ersten Orchideen.

Bereits eineinhalb Jahre nach dem Start des Renaturierungsprojekts der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe blühen die ersten Orchideen, saftige grüne Naturwiesen sind entstanden und Kleintiere haben ein neues Zuhause gefunden.

Was bisher geschah

Früher kümmerten am Eschkopf, einem Hügel zwischen Rockensüß und Königswald, serbische Fichten vor sich hin, der Boden war ohne Vegetation. Kein hinzunehmender Zustand für die NABU-Stiftung, in deren Besitz sich das sieben Hektar umfassende Gelände befindet.

Zufrieden mit dem vorläufigen Ergebnis: (von links) Hartmut Mai, Vorsitzender der NABU-Stiftung, und Schäfer Anton Göbel.

Also wurden die Untere Naturschutzbehörde, die Gemeinde Cornberg und der Bundesforst ins Boot geholt, um das Naturschutzprojekt gemeinsam auf den Weg zu bringen. Mit dem Ziel, nach spätestens 15 Jahren bunt blühende und orchideenreiche Magerrasen zu erhalten. Für die Umsetzung war der Bundesforstbetrieb Schwarzenborn unter der Leitung von Werner Rocke verantwortlich. Und der hatte bei einem Ortstermin viel zu berichten. So wurde schon im Herbst 2014 ein Großteil der unliebsamen Fichten am Südhang des Eschkopfs gefällt. Das Vorhaben erwies sich aber nicht gerade als einfach: Wegen der Witterungsverhältnisse blieben manche Rückefahrzeuge entweder stecken oder beschädigten die Wege zu den Fichten hinauf. Doch wer was kaputt macht, der macht es auch wieder heil, hieß das Motto des Bundesforstbetriebs, was Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth besonders hervorhob und lobte.

Mit dem Baumfällen war es aber nicht getan. „Es mussten noch Büsche entfernt und Sträucher zurückgeschnitten werden. Besonders die Distel zeigte sich hartnäckig, da sie immer wieder samte“, sagte Rocke. Doch dagegen, und auch gegen andere überhandnehmende Kräuter, kam die Renaturierungsgeheimwaffe zum Einsatz: Die etwa 150 Schafe und Ziegen von Schäfer Anton Göbel aus Spangenberg-Herlefeld. Er hat den Auftrag, dreimal im Jahr die Fläche mit den Tieren zu beweiden.

Was noch geschieht

„Schon jetzt zeigen sich erste Erfolge des Naturschutzprojektes. Die Orchideenbestände haben sich ausgebreitet und typische Magerrasenpflanzen sind in die freigeräumten Bereiche zurückgekehrt“, erklärte Hartmut Mai, der Vorsitzende der NABU-Stiftung. Und tatsächlich, bei der Begehung des Geländes fielen bereits vier Orchideenarten ins Auge: Das weiße Waldvögelein, das dreizähnige Knabenkraut, die Fliegenragwurz und das stattliche Mannsknabenkraut.

Zufrieden mit dem vorläufigen Ergebnis: (von links) Hartmut Mai, Vorsitzender der NABU-Stiftung, und Schäfer Anton Göbel.

Um die Entwicklung speziell dieser Blumen, aber auch um die Pflanzenwelt am Eschkopf allgemein, kümmert sich seit der Rodung Uwe Barth. Er ist von Beruf Biologe, begleitet das Projekt wissenschaftlich mit und kartiert alle Pflanzen, die ihm unter die Augen kommen. „Hier werden dicke Bretter gebohrt“, sagte Barth, als er das Projekt beschreiben sollte. Seiner professionellen Meinung nach sind die veranschlagten 15 Jahre, bis die Renaturierung vollends beendet ist, durchaus realistisch. Den Grund dafür sieht er in den guten Voraussetzungen des FFH-Gebiets. Laut Barth ist das gesamte Projekt ein Paradebeispiel für andere Gebiete und er hofft, mit den Forschungsergebnissen, die er am Eschkopf sammelt, weitere Projekte unterstützen zu können.

Die Kosten

Das NABU-Schutzgebiet „Eschkopf“ ist Teil des europaweit geschützten Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiets „Kalkmagerrasen zwischen Morschen und Sontra“. 300.000 Euro wurden für die Renaturierung veranschlagt. Bis Mai dieses Jahres sind bereits 130.000 Euro aus Eigenmitteln aufgebraucht worden, berichtet Hartmut Mai von der NABU-Stiftung.

Finanziert werden, soll das Projekt durch Ökopunkte, die es für eine ökologische Aufwertung gibt und die dann verkauft werden können an Investoren, die an anderer Stelle Natur verbrauchen und für einen Ausgleich sorgen müssen. (fis)

Quelle: HNA

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