Gericht setzt Haftbefehl gegen Philippsthaler aus, bis alle Spuren ausgewertet sind

Erst Beweise, dann Prozess

Philippsthal/Eisenach. Es ist nicht die erste Überraschung im Prozess um einen großen Beutezug im vergangenen Frühjahr. Zunächst hatte einer der Angeklagten alle Schuld auf sich genommen, dann widerrufen und erklärt, der zweite Mann auf der Anklagebank sei an den meisten der Einbruchsdiebstähle in Thüringen und Hessen sehr wohl beteiligt gewesen.

Jetzt, am vorläufig letzten Prozesstag am Schöffengericht in Eisenach, stellt sich heraus, dass die Spurenauswertung am Landeskriminalamt mitnichten beendet ist. „Das geht gar nicht“, sagt der Vorsitzende Richter, es sei „aberwitzig“ und „untragbar“, einen Prozess zu führen, solange nicht alle Beweise vorliegen. Und solange die Möglichkeit bestehe, dass Spuren gefunden würden „von jemand, der hier nicht auf der Anklagebank sitzt“.

Dort saßen bisher ein 30-Jähriger aus Vacha und ein 37-Jähriger aus Philippsthal. Der 30-Jährige wurde beim Versuch festgenommen, in ein Autohaus in Immelborn einzubrechen. Einem zweiten Mann – nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft der 37-Jährige – gelang die Flucht. Er wurde verhaftet, nachdem seine Fingerabdrücke auf Teilen der Beute gefunden wurden. Enorme Beute – die Schätzungen belaufen sich auf etwa 100 000 Euro, inklusive der immensen Sachschäden. Der 30-Jährige hat die Einbrüche gestanden – in Thüringen in die Poststelle Vacha, den Bauhof in Behringen, eine Firma in Gerstungen, die Agrargenossenschaft und eine Schule in Berka/Werra; in Hessen in ein Vereinsheim in Mansbach, ein Sportzentrum in Friedewald, den Bauhof in Heringen, das Kieswerk in Wabern, ein Dienstleistungsgebäude in Eitra, eine Autovermietung in Bad Hersfeld.

Fahrzeuge in Flammen

Mitgenommen wurde alles, was sich zu Geld machen lässt – und die Zweitschlüssel der Postautos in Vacha, die man sich gelegentlich „geliehen“ hat. Von den anderswo gestohlenen Fahrzeugen ging wohl nicht nur eines in Flammen auf.

Wegen gewerbsmäßiger Einbruchsdiebstähle wird der 30-Jährige aus Vacha zu drei Jahren Haft verurteilt. Wegen seiner Drogensucht wird die Unterbringung des Angeklagten in eine Entziehungsanstalt angeordnet.

Der Haftbefehl gegen den Philippsthaler wird außer Vollzug gesetzt. Der Mann, der unschuldig sein will und seinen Zorn während des gesamten Prozesses sichtbar kaum im Zaum halten konnte, ist, unter Auflagen, vorläufig frei – zum Entsetzen der jungen Frau des jetzt verurteilten Mannes. Sie ist einem Zusammenbruch nahe, als sie dem Richter am Rande des Prozesses weinend von ihrer großen Angst vor der Rache des 37-Jährigen berichtet. Der Prozess gegen den Mann aus Philippsthal wird zu einem späteren Zeitpunkt wieder geführt werden – so sich nicht die nächste Überraschung in Person eines bisher unbekannten Täters ergibt. (mtw)

Quelle: HNA

Kommentare