Nentershausen

Erinnerungstafel für Synagoge steht am Rande eines Lagerplatzes

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„Kein würdiger Gedenkort“: Hannah Schwarz-Richter kritisiert das Umfeld für das Schild, das in Nentershausen auf den Standort der ehemaligen Synagoge hinweist. Die Fläche wird von einer Firma als Lagerplatz genutzt.

Nentershausen. Eine Gedenktafel sorgt für Diskussionen. Sie erinnert an die frühere Synagoge und damit an die jüdischen Einwohner Nentershausens. Doch die Tafel steht am Rande eines Lagerplatzes. Das halten viele für ein unwürdiges Gedenken.

Nentershausen ist ein schmuckes, liebenswertes Dorf am Fuße der Tannenburg - da sind sich Einwohner und Besucher einig. An einer Stelle im Dorf bleiben aber immer wieder mal vor allem auch Touristen stehen und können sich ein Kopfschütteln nicht verkneifen: vor dem Schild, das an der Straße Unter den Linden an den Standort der jüdischen Synagoge erinnert.

Die Gedenktafel steht hinter einem Zaun auf einem Grundstück, das seit Langem der Firma Krause gehört und von ihr als Lagerplatz genutzt wird. Auf dieser Fläche stand einst die Synagoge.

Woran sich schon viele in den vergangenen Jahren gestoßen haben, fasst Hannah Schwarz-Richter in Worte. „Das ist kein würdiger Gedenkort“, betont die Nentershäuserin. „Die Juden haben eine große Rolle in unserer Region gespielt. Es gab hier ein blühendes jüdisches Leben mit eigener Kultur. Deshalb sollten wir die Juden hier auch gebührend ehren.“

Im Sommer sei sie auch von Touristen auf diesen Missstand angesprochen worden, berichtet Schwarz-Richter, die als Psychotherapeutin arbeitet und früher Pfarrerin in Ulfen war. „Das Schild wurde in gut- meinender Absicht dort hingestellt. Wenn es diese Initiative nicht gegeben hätte, wäre hier gar nichts mehr“, betont Schwarz-Richter. Aber das Umfeld sei unwürdig.

„Es ist wichtig, würdige Erinnerungsstücke zu haben, um die Vergangenheit vor Ort zu bewältigen.“ Und die Vergangenheit sei noch nicht bewältigt, sagt die Nentershäuserin. Es fehle nicht nur in Nentershausen das kritische Bewusstsein. Die Gefühle seien überall zwiespältig, die Beziehung zur ehemaligen Bevölkerung oftmals gespannt. In Städten wie Rotenburg gebe es würdige Gedenkorte. Was in den Dörfern passiere, sei kein Gedenken.

„Je länger der zeitliche Abstand zu den Verbrechen an den Juden wird, desto furchtbarer erscheinen sie mir“. So empfindet es Hannah Schwarz-Richter. Das dritte Reich werde als schlimme Zeit eingeordnet. Aber was da wirklich geschehen sei, auch diese tragischen Verflechtungen bis in die Familien hinein, das sei vielen nicht bewusst.

Die Kritik richtet sich nicht gegen die Firma Krause. Sie sieht alle Bürger in der Verantwortung und die Gemeinde Nentershausen. Aber auch die Bürger in anderen Dörfern. Als eine mögliche Lösung für Nentershausen schlägt sie vor, dass die Gemeinde ein Stück des Grundstückes zurückkauft und würdig gestaltet.

Von René Dupont

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Quelle: HNA

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